[Interview] IN LEGEND - Bastian Emig

Metal ohne Gitarren? Klingt erstmal nach einem Experiment, das zum Scheitern verurteilt ist, doch Bastian Emig hat mit In Legend nicht einfach nur ein Experiment zum Laufen gebracht. Es ist mehr als das und zeigt das klassischte aller Instrumente mal von einer ganz anderen Seite. Er selbst beschreibt die Musik als einen langen Reifungsprozess, der nur darauf gewartet hat, rausgelassen zu werden. Vor gut einer Woche konnte sich auch die breite Masse davon überzeugen, ob "Piano Metal" funktionieren kann. Auch für uns Grund genug, um dem Herren mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen.
Interview von Sonata am 27.5.2011
Hi, Erstmal eine simple Frage, wie geht’s euch momentan? Läuft die Promotion zum Album gut?
Hallo! Man könnte meinen blendend! Promo läuft hervorragend, SPV machen einen tollen Job und wir stehen gebannt in den Startlöchern...
Piano Metal ist mit Sicherheit noch nicht weit verbreitet und bringt eine gesunde Portion Frische mit sich. Gibt es Befürchtungen, dass es in der großen weiten Metalwelt nicht so positiv aufgenommen wird? Soweit ich mich umgeschaut habe, erhaltet ihr größtenteils gutes Feedback von den Leuten.
Befürchtet haben wir es nicht, eher erwartet, wobei wir nicht rumsitzen und darauf warten, solche Reaktionen sind mal mehr, mal weniger egal. Sofern man den Kritikern entnehmen kann, dass sie sich die Platte auch angehört hat, kann ich auch gut mit negativer Kritik leben - Geschmäcker sind ja verschieden. Wenn mich allerdings das Gefühl beschleicht, der Kritiker ist eigentlich Dogmatiker und schreibt um des Schreibens Willen, dann finde ich es etwas bedauerlich, wie sehr eigentlich engagierte Menschen ihren Job verfehlt haben.

Wo liegt denn der Ursprung in der Idee, das Piano zum Hauptinstrument einer Metalband zu machen und die Gitarre damit quasi zu ersetzen?
Ganz einfach in meinem Wunsch die Mucke, die ich mag, mit den Mitteln, die ich habe, zu machen. Kein Konzept, keine „Marktlücken-Forschung“, nicht dergleichen. Interessant übrigens, dass die Medien des harten Sektors viel mehr aufs „Konzept“ eingehen, wohingegen Medienvertreter der Gothen- oder Alternativszene sich deutlich stärker mit den Songs auseinander setzen. Ich würde uns auch nicht als reine Metalband bezeichnen. Wir bedienen uns im Drumming und Songwriting vieler im Metal-Genre angesiedelten Attribute, unser Anker liegt auch definitiv im Metal, aber wir haben keine Berührungsängste zu verwandten Stilen.
Wie darf man den Albumtitel „Ballads 'n' Bullets“ interpretieren?
Ach, vielleicht n bissl so nehmen, wie er im Raum steht - Der „lyrische Holzhammer“ verweist auf ruhige und härtere Momente, ich finde vor allem, dass er Sound hat. Es sind ne Menge Songs auf der Platte, worüber sich der Käufer sicherlich freuen dürfte, der Hörer muss diesen neuen Sound aber erstmal verdauen. Daher gibts in der Mitte der Platte einen „Cut“ und man wird mal mit dem Klavier alleine in einen Raum gesperrt... (Yue)

Bastian, du hast den Stil der Band ja quasi geprägt und mich würde mal interessieren, wie du auf die Bezeichnung „Hand hammered Piano craft“ gekommen bist?
Eine schöne Frage - wir haben eben nicht nur mit gespaltenen Reaktionen im Metal- Segment gerechnet, die Bezeichnung „Piano Metal“ schien uns als Schublade fast sicher. Ich finde die ehrlich gesagt ziemlich nerdig und nicht gerade sexy. Da musste eine Alternative her. Von Natur aus mag ich „Hand gemachte“ Musik einfach sehr gerne, die Vorstellung unsere überwiegend recht energetische Musik fast schon archaisch aus unseren Händen entstehen zu lassen hat eben genau zu der Natur des Pianos gepasst. Das Klavier ist ja eigentlich ein Schlaginstrument, was wenige wissen. Dennis geht am Schlagzeug in die Vollen, Daniel prügelt auf seinen Bass ein, ich hämmere eben in die Tasten - und das Ganze verstehen wir als ein Kunsthandwerk - „Hand Hammeres Piano Craft“ :-)
Wie sieht’s denn mit den Plänen zu einer Tour aktuell so aus?
Sehr gut! Im Moment sind wir gerade dabei für Herbst/Winter ne Menge Dates zusammen zu stellen, da darf man gespannt sein und ab und an unsere Seite besuchen!
Hast du in Bezug auf deine Spielweise irgendjemanden oder irgendwas, was dich besonders inspiriert hat? Du bringst das Piano ja fast schon auf eine neue Ebene, da es sich bei den Songs von In Legend sehr vielseitig präsentiert.

Das dürfte tatsächlich das Drumming sein. Nicht etwa wegen der rohen Energie, viel mehr wegen der rhythmischen Patterns. Nimm z.B. „Yue“, der ruhigste Song auf der Platte besticht zu Beginn mit einer Melodie, die weniger aufgrund ihrer Tonfolge, als wegen ihres perkussiven Eigenlebens eingängig wird. Melodisch siehts da wieder ganz anders aus. Hier bin ich durch die gute Rock‘n‘Roll-Schule gegangen, da fühl ich mich zu Hause und schreibe entsprechende Lieder.
Was halten denn die Jungs und Mädels von Van Canto von eurer Musik? Inga leistet euch ja bei dem Song „Stardust“ Gesellschaft und die Frage liegt eben nahe, da du als Gründer von In Legend ja sicher viel aus der bisherigen Zeit von Van Canto mitgenommen hast.
Van Canto und In Legend sind sich menschlich deutlich näher als musikalisch. Wir haben ja jetzt zwei gemeinsame Touren absolviert, danach gemeinsam die Backline geschleppt und gefeiert. Stef und ich sind seit je her best mates, wir supporten uns gegenseitig wo es geht. Dennoch hebt sich IL von VC insofern ab, als dass sich die Musik ganz anderen Bereichen des Lebens widmet. ... Der Song Stardust führt einen vllt. daher etwas in die Irre, als dass ich ihn Inga gezielt auf ihren hübschen Leib geschrieben habe und er daher auch deutlich mehr an die VC-Songs erinnert, als die anderen. Aber dafür lockert er die Platte auch wieder ein wenig auf. Mittlerweile zählt „Stardust“ zum Lieblingssong vieler Hörer/ innen.
Gab es in der Vergangenheit Leute, die nicht an euch geglaubt haben, weil „Piano Metal“ vielleicht nicht so gut bei den Leuten ankommen wird? Ihr kennt ja sicher diese verbissenen Metaller, die nen‘ Krampf bekommen, sobald auch nur eine Keyboardtaste ertönt.
Na klar! In einem künstlerischen Gewerbe sind Menschen, die Zweifel sähen und es hinterher eigentlich ja schon immer gewusst haben fast schon nicht mehr wegzudenken. Ich wüsste gar nicht, wo ich meinen Eigenantrieb her nehmen würde, wenn es diese kleinen Parasiten nicht gäbe. Viele meiner Lyrics drehen sich ja auch um den persönlichen Umgang mit solchen Menschen, die einem die Energie, den Glauben und letztlich auch die Liebe zu dem nehmen, was einem die Welt bedeutet, ganz einfach weil es viele für sich selbst nicht wissen. Das bezieht sich jetzt aber eher auf das persönliche Umfeld oder aber Menschen, mit denen man zusammenarbeitet. Über Musikliebhaber kann ich nur sagen, dass mir solche, die ihre Zeit lieber damit zubringen der Welt kund zu tun was ihnen nicht gefällt ziemlich suspekt sind. Aber jeder darf ja selbst bestimmen wie er die Zeit, die er hat, nutzt. Aber man muss sich vor allem davon befreien seine Musik für andere zu machen. Ich habe zehn Jahre lang in der „normalen“ Metalband gespielt. Da hieß es immer: „zu langweilig“. Jetzt bin ich bei Van Canto und In Legend, da heißt es: „zu außergewöhnlich, ist nicht Metal“ Aha. Naja -die sollen froh sein, dass wir ihnen so viel Stoff zum darüber lesen und schreiben bieten!

Man hört ja immer wieder, dass du keine Noten schreiben kannst und so fragt man sich natürlich, ob es ohne weiteres möglich ist, nur anhand des „Hörens“ derart schöne Melodien zu komponieren. Bring uns diesen Prozess mal näher.
Naja, Ohren aufsperren und loslegen. Das meine ich wirklich ernst, um nichts anderes gehts. Wir lieben alle Musik, weil sie uns bewegt. Den einen dazu, sich mit der Band, die er hört auseinander zu setzen und darüber zu schreiben, den nächsten zu der Mucke ein schickes Bild zu malen, mich hat es dahin gehend bewegt das Gehörte mit eigenen Mitteln wiedergeben zu wollen. Und über das Noten lesen bleibt eigentlich nur zu sagen, dass es ja (leider) immer noch ne Menge Menschen gibt, die sprechen, wohl aber nicht schreiben können. Diese Menschen sind ja auch in der Lage sich mitzuteilen. Damit möchte ich „Noten Lesen“ als solches gar nicht abwiegeln, ich würde es gerne beherrschen, aber ich vermisse es nicht um mich künstlerisch vollständig auszudrücken. Ich glaube dennoch, dass es ein Unterschied ist, ob ich am Klavier sitze und dem Gehörten folge oder aber mein Kopf mit dem Lesen der Noten beschäftigt ist, seine Hände anweist und die Ohren ... gegenhören? Als Drummer ist mir der körperliche Einsatz von verschiedenen Instanzen, die unterschiedliche Dinge ausführen, durchaus vertraut, trotzdem bevorzuge ich da die erste Variante
Die Lyrics beschäftigen sich ja größtenteils mit dem Leben an sich und wie man seine Träume verwirklichen kann etc. Kannst du da vielleicht nochmal näher drauf eingehen?
Hm - da möchte ich mich sehr gerne zurück nehmen. Musik ist ja ne sehr unmittelbare Wahrnehmung. Keiner muss rechtfertigen wie er Mozart oder Rammstein wahrnimmt. Wenn man noch nen Irren kennt, der das auch mag, geht man halt gemeinsam aufs Konzert und freut sich des Lebens. Texte hingegen sind deutlich konkreter und beschreiben die Bilder in meinem Kopf viel schärfer. Bevor ich also jetzt loslege und meine Bilder beschreibe, lade ich lieber jeden dazu ein, sich sein eigenes Bild zu machen, wenn er sich angesprochen fühlt freut mich das, umso schöner!
Mit Charlie Bauerfeind habt ihr jemanden auf eurer Seite, der die Metalszene wie seine Hosentasche kennt. Hat er es verstanden, deine Ideen so umzusetzen, wie du es dir vorgestellt hast?
Sehr, Charlie hat viel zur Entstehung dieses Projekts beigetragen. Er hat die allerersten Demo-Versionen gehört und mich in meinem Vorhaben immer wieder unterstützt. Richtig prägend war dann die Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Drum-Session. Charlie hat ein unheimlich gutes Gespür für die Gesamtheit eines Songs. Er kann sehr gut in großen Räumen denken. Das kommt einem als Komponist manchmal abhanden, da verrenne ich mich in Details, oder der Drummer in mir trumpft plötzlich auf und zerschießt sich den eigenen Song - sehr unschön. Charlie hat da sehr gut mit eingewirkt (er ist ja auch selber Drummer) und hat den roten Faden der Songs verteidigt :-)
Dann bedanke ich mich recht herzlich für das Interview und wünsche euch viel Erfolg mit eurem Debüt „Ballads ‚n‘ Bullets“! Wie sagst du so schön „Don’t call it your dream but make it your life“.
Vielen Dank für das sehr gute Interview!

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