[Interview] PAGAN'S MIND - Nils K. Rue

Die norwegischen Prog/Power-Metaller PAGAN'S MIND haben mit ihrem neuen Album "Heavenly Ecstasy" ordentlich abgeräumt - auch bei uns. 14/15 Punkte, nicht schlecht. Darüber freut sich auch Frontmann Nils K. Rue, mit dem ich über das neue Werk gesprochen habe.
Interview von Steelbound am 9.7.2011
Hi Nils, schön mit dir zu reden, danke, dass du dir die Zeit nimmst! Zuerst: Wie geht’s dir?
Danke für die Unterstützung! Mir geht es sehr gut, ich bin erst gestern nach Hause gekommen nachdem wir auf der Hauptbühne des Graspop Festivals in Belgien gespielt hatten. Auch sonst sieht es super aus für die Band momentan, das Leben lacht für mich!
Euer neues Album „Heavenly Ecstasy“ ist vor ein paar Wochen erschienen. In meinem Review schrieb ich, dass es ein „Meisterwerk“ sei und ihr euren Stil etwas gewechselt habt, vom progressiven Metal zum Power Metal. Ich will die Band in keine Schublade stecken, aber empfindest du die Musik auf dem neuen Album auch als etwas einfacher und eingängiger?
Wow, ich bin froh zu hören, dass du das Album so sehr magst. Ja, ich würde sagen, es ist ein bisschen mehr „geradeaus“ als die anderen Alben. Aber das ist nicht passiert, weil wir uns gesagt haben „Hey, lasst uns etwas weniger progressiv sein“ - es war einfach eine normale Entwicklung für uns. Wir merken jetzt schon, dass das Album sehr erfolgreich ist, also ist es wie ich gesagt habe, gute Tage für uns!

Ihr habt auch den Stil eures Artworks verändert. Okay, es ist immer noch sehr „bombatisch“, aber alle eure vorherigen Artworks waren blau, das neue ist rot. War das Absicht oder ist es einfach passiert?
Ich denke, es ist einfach passiert. Bisher habe ich selber immer die Cover gestaltet, diesmal wollten wir etwas anderes, deshalb haben wir Felipe Machado verpflichtet, der schon viele coole Cover gestaltet hat, zum Beispiel für Blind Guardian. Wir sind sehr froh über das Ergebnis, ich glaube es ist wichtig für eine Band, etwas neues auszuprobieren und nicht nur an dem alten Rezept festzuhalten, auch wenn es in der Vergangenheit funktioniert hat.
Worum drehen sich eure Texte, welche Nachricht wollt ihr euren Hörern überbringen?
Wir sind immer vom Mysteriösen und Unbekannten inspiriert. Das war bisher auf allen Alben so, diesmal haben wir aber auch versucht, Dinge einzubringen, mit denen sich jeder identifizieren kann. Unsere Texte sind oft sehr metaphorisch, was den Hörern erlaubt, die Songs verschieden auszulegen und auf ihre persönliche Art und Weise zu interpretieren.
Während die Musik auf dem neuen Album etwas direkter ist, sind das auch die Texte. Wie auch immer, der Pagan's Mind-Fan wird immer noch zufrieden sein, es ist genug mystischer Kram dabei!
Zum Beispiel gibt es einige Texte, die sich um die Realität drehen, aber viele Songs haben auch eine sehr positive Nachricht, die dir sagt, dass du an dich glauben sollst. Das ist einfach sehr aufbauend in Hinsicht auf das Selbstwertgefühl, die Kraft des Willens und dich selber.

„Intermission“ war der erste veröffentlichte Song. Er ist sehr eingängig und erinnert mich an Stratovarius' „Hunting High and Low“: Die sehr einfache Strophe mit bloß einigen sphärischen Keyboards und dann der sehr eingängige und kräftige Refrain. War es eure Absicht, etwas einfacheres als ersten Song zu kreieren und veröffentlichen? Und was denkst du über den Stratovarius-Vergleich?
Haha, ich habe den Stratovarius-Vergleich zuvor noch nicht gehört, aber ich denke mal, das ist ein Kompliment, ich liebe Stratovarius! Nun, ich denke dieser spezielle Song ist für das Radio geschrieben worden, dennoch ist es ein vollwertiger Pagan's Mind-Song. Wir haben uns sehr auf die Melodie-Linien konzentriert. Das Hauptriff ist eigentlich etwas, woran wir schon seit Jahren „herumgejammed“ haben, und endlich ist ein Song draus geworden – und ein guter!
Mein Lieblingssong vom neuen Album ist „Revelation to the End“. Der hat eine sehr intensive Atmosphäre, es geht anscheinend um eine Art Endzeit-Szenario. Ist das richtig? Waren die Texte eventuell vom „Ende der Welt“ 2012, wie die Maya es „vorausgesagt“ haben, inspiriert?
Das ist sehr gut beobachtet. Es geht um die Apokalypse 2012 und den Maya-Kalender, was ein aufregendes, aber auch entsetzliches Thema ist. Ich selber glaube nicht, dass die Welt 2012 untergeht, aber es ist etwas cooles, um Texte darüber zu verfassen – ein sehr intensives und interessantes Thema, und es passt zum dramatischen Aufbau und der Atmosphäre des Songs.
Kürzlich habt ihr auf eurer Facebook-Seite ein gutes, von einem Fan erstelltes Video verlinkt. Ihr habt dazu gesagt, dass die Bilder die Amtopshäre perfekt unterstützten. Dabei ist mir etwas aufgefallen: Im Video ist in der Strophe das „sign of sheer destruction“ zu sehen, während der Refrain das Gegenteil darstellt, Landschaften und Delphine. Habt ihr diesen Spannungsbogen bewusst entworfen?
Ja, bei dem ersten Mal, als ich das Video gesehen habe, hatte ich eine Gänsehaut. Es ist wirklich sehr gut gemacht! In den Strophen geht es um die Apokalypse selber, aber der Refrain bringt Hoffnung und erzählt vom Willen zum Überleben und Fortfahren. Damit repräsentiert der Song sehr starke Kontraste und zeigt den großen menschlichen Überlebenswillen auf.
Dass ihr das Video mit den anderen Fans geteilt habt, zeigt eure Einstellung gegenüber den Fans. Wie wichtig sind eure Fans für euch?
Unsere Fans bedeuten uns alles. Das Musikgeschäft ist nicht immer fair für die Bands, zumindest nicht für Bands unseres Kalibers. Es ist schwierig, die ganze Zeit über Wasser zu bleiben, ob finanziell oder in Bezug auf die Popularität der Band. Es gibt so viele Bands, die auch bekannter werden wollen und so viele Leute, die auch etwas vom Erfolg abhaben wollen.
Aber die Fans sind immer erhlich und ihnen geht es zu 100% nur um die Musik, nicht den Scheiß drumherum. Die Fans sind immer die besten Freunde für uns und wir lieben euch alle!
Sie sind der beste Grund warum wir das machen, und wegen ihnen kann ich heute zu mir sagen, dass ich etwas habe, auf dass ich glücklich zurückblicken werden kann, wenn ich alt bin.
Auf unserem neuen Album zollen wir unseren Fans mit „Walk Away in Silence“ Tribut, welcher eine Hymne auf die Musik und die Fans ist.
In einigen Songs beweist du, dass du auch gut schreien kannst („Revelation to the End“, „The Master's Voice“). Hast du das auch schon auf älteren Alben ausgeübt?
Ich glaube ich bin eine Art „Gesangs-Kartoffel“, da ich fast alles kann – growls, schreien, sehr hohen Gesang und so weiter. Gorwling ist immer einfach, weil es meiner Meinung nach kein Singen ist. Es ist ein Effekt mit Ähnlichkeiten zu Rhythmus-Instrumenten. Eine klare Stimme und hohe Töne sind weitaus schwieriger. Ich liebe all das live umzusetzen. Und ja, auf fast allen Alben habe ich meine Gesangstalente dieser Art bewiesen.
„Walk Away in Silence“ erinnert mich sehr an Queensryche und ihren Song „Breaking the Silence“. ..
Danke! Ja, der Arbeitstitel war sogar „Queensryche“ haha. Es ist ein klassischer Hard Rock-Song, den wir jetzt schon gerne Live spielen, es war großartig gestern Nacht ihn vor tausenden von Leuten zu spielen. Ich glaube, wir sind alle etwas von Queensryche beeinflusst und sind alle mit der Band aufgewachsen. Wir haben sogar Michael Wilton gefragt, ob er einen Teil des Gesangs übernehmen will, aber es war zu wenig Zeit dafür, leider.
Danke für das Interview! Viel Glück mit dem neuen Album, die letzten Worte gehören dir!
Seid nett zu anderen Leuten, fahrt nicht unter Alkoholeinfluss, unterstützt Kunst, liebt und nehmt euch die Zeit, jeden Tag über die großen Geheimnisse des Lebens nachzudenken!
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