[Interview] STORMWARRIOR - Alex Guth (Gitarre)

STORMWARRIOR sind schon lange eine feste Größe im metallischen Deutschland. Die Teutonen lieferten zuletzt 2008 mit ihrem Album "Heading Northe" einen Kracher, der ganz in der Tradition alter Helloween stand und die Fans begeisterte. 2011 schickt sich die Band mit "Heathen Warrior" an, diese Großtat zu wiederholen - nur mit einem anderen Album. Dass dieses ebenso genial ist, steht außer Frage... aber fragen wir doch lieber Gitarrist Alex Guth ein paar Sachen über das neue Album, vor allem: Warum hat's solange gedauert?
Interview von Steelbound am 27.5.2011
Hi, danke, dass du dem Interview hier deine Zeit opferst! Zuerst die Frage, die sicher viele Fans interessiert: Warum wurde der Veröffentlichungs-Termin so oft und so weit nach hinten verschoben?
Moin! Ja, da kam leider Einiges wieder zusammen, was so nicht geplant war. Zunächst wurden wir durch den Abtritt unserer letzten Firma Dockyard 1 komplett ausgebremst, u.a. da auch Zahlungen ausstanden und wir welche wir nicht weitermachen konnten. Das bedeutete, dass wir erst einmal alle Projekte wie zum Beispiel auch die DVD beiseitelegen mussten und uns um ein neues Zuhause für Stormwarrior umschauen mussten. An Songwriting war dabei überhaupt noch nicht zu denken! Als wir uns dann mit Massacre einig waren, musste alles auf einmal ganz schnell gehen und ein Release-Termin wurde angesetzt, ohne dass wir auch nur ein neues Stück fertig hatten. Also mussten wir schnell handeln, und Lars hat in knapp einem Monat das neue Album in einer Rohfassung geschrieben, damit wir im Oktober zumindest schon einmal die Drums aufnehmen konnten. Als dann Hendrik noch seinen Bandscheibenvorfall bekam und sich die Aufnahmen wieder verschoben, würfelte das unseren Terminkalender noch mehr durcheinander. Hendrik hat dann unter großen Schmerzen und natürlich auch mit den nötigen Pausen die Scheibe eingezimmert, aber das hat krankheitsbedingt natürlich länger gedauert als eigentlich geplant war. So mussten wir leider den Veröffentlichungstermin noch weiter vor uns herschieben, da wir trotz aller Probleme natürlich eine astreine Scheibe abliefern wollten. Wir hoffen sehr, dass die Fans das verstehen. Denn wir waren alles andere als faul, wie „Heathen Warrior“ hoffentlich beweist. Einige Dinge lagen einfach außerhalb unseres Einflussbereiches, aber ich bin froh, dass wir die Scheibe fertigbekommen haben und sie nun endlich rauskommt!
Wie würdest du „Heathen Warrior“ im Vergleich zu „Heading Northe“ sehen? Was hat sich verändert?
Ich habe noch nicht genug Abstand zu der neuen Scheibe, um sie adäquat mit „Heading Northe“ vergleichen zu können, aber „Heathen Warrior“ ist meiner Meinung nach irgendwie erwachsener ausgefallen. Die Arrangements und auch die Melodiebögen sind anspruchsvoller gestaltet. Uns haben jetzt ein paar Leute erzählt, dass man wohl ein zwei Durchläufe mehr brauchen würde, und das sehe ich als Kompliment und es zeigt, dass wir uns nicht wiederholt sondern weiterentwickelt haben. Es ist nach wie vor Stormwarrior, nur eben etwas reifer – wenn man das Wort bei uns überhaupt benutzen kann, haha. Sowohl an den Instrumenten als auch am Gesang hat sich zudem Einiges getan, und auch unser neuer Drummer hat seinen eigenen Akzent setzen können. Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden mit der Scheibe!

Was stellt übrigens das Artwork dar? Ist das „The Ride Of Asgård“, Odin auf seinem morgendlichen Ritt?
Ja, fast. Bei „The Ride of Asgård”geht es eigentlich eher um die „Wild Jagd“ während der 12 Rauhnächte in der Zeit des Jahreswechsels (etwas weiter südlich kennt man dieses Phänomen übrigens auch noch in etwas abgewandelter Form in Verbindung mit dem „Perchtenlauf“, welcher auf den Gedanken der „Wilden Jagd“ zurück geht).
Man kann das Cover natürlich auch in diese Richtung verstehen, gedacht war der Überbau des Albums allerdings eher so, daß Odin aus alter Zeit heranbraust und längst vergessene Kunde mit sich bringt, was wenn man sich das dann weiter malen möchte dann z.B. der lyrische Inhalt des Albums darstellen könnte…
Könnte es sein, dass der Sound auf „Heathen Warrior“ nicht ganz so fett ausgefallen ist wie 2008? Besonders die Vocals hätten ein bisschen mehr Kraft vertragen können!
Da muss ich Dir widersprechen, ich halte den Sound auf „Heathen Warrior“ für besser als bei der „Heading Northe“! Soviel Abstand habe ich dann doch, haha!
Ernsthaft, „Heading Northe“ war mir vielleicht ein wenig zu steril oder digital vom Sound her, während die neue Platte sehr viel wärmer klingt und von vorne bis hinten den alten Geist der Achtziger versprüht. So soll es sein! Auch die Leads und Soli sind jetzt viel lebendiger und dadurch prägnanter. Da hat Tommy Hansen ganze Arbeit geleistet! Und was Du zum Gesang sagst, kann ich nun überhaupt nicht nachvollziehen, da sich Lars nochmal ordentlich entwickelt hat seit der letzten Platte. Der Gesang ist sehr viel variabler und facettenreicher geworden. Lars brüllt eben nicht von Anfang bis Ende nur durch, sondern setzt seine Stimme gezielter ein – mal aggressiv, mal auch etwas gefühlvoller. Yenz‘ Solopassagen tragen auch sehr zu unserem Gesamtsound bei und ich bin froh, dass wir seinen Gesangsstil für Stormwarrior entdeckt haben. Also, meiner Meinung nach sind besonders die Vocals ein klarer Pluspunkt bei „Heathen Warrior“!

Auf z.B. „Fyre & Ice“ singt ja der Yenz mit, habt ihr das schon auf früheren Alben praktiziert, oder habt ihr erst jetzt gemerkt, dass er ja auch singen kann?
Yenz hat auch schon bei „Heading Northe“ einige sehr coole Backings gemacht, und wir waren schon immer von seiner Stimme überzeugt. Man darf nicht vergessen, dass er in seinen früheren Bands auch oftmals als Lead-Sänger in Erscheinung getreten ist, der hat schon ziemlich was los und das wussten wir von Anfang an. Allerdings kam Yenz damals erst recht spät dazu, als das Songwriting von „Heading Northe“ schon fast abgeschlossen war, so blieben ihm da natürlich weniger Entfaltungsmöglichkeiten. Live gibt es ja schon seit geraumer Zeit ein paar Passagen wo sich Lars und Yenz die Textzeilen hin und her schieben und auf „Heathen Warrior“ haben wir das nun auch mal auf Scheibe ausprobiert.
Dreht sich auf „Heathen Warrior“ alles um die Wikinger- bzw. Nordische Mythologie-Thematik? Gibt’s auch andere Themen? Und wieso findet ihr diese Thematik eigentlich so ansprechend, dass ihr sie so gerne benutzt?
Wieso magst Du Pommes mit Mayo…haha?! Bei einer Band geht es doch darum, ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen. Musik, Texte, Artwork und auch das Auftreten der Band muß zusammenpassen. Diese nordische Thematik war schon immer ein Teil von Stormwarrior.
Gerade weil wir ja auch aus diesen Gefilden kommen, passt für uns diese Stimmung einfach perfekt zu unserer Musik und zusammen ergibt das dann eben eine starke Einheit und hebt sich zusätzlich auch positiv von den ganzen Fantasy- und Drachenlyrics anderer Bands ab.
Uns packen diese kraftvollen Geschichten einfach, auch da sie eben einen direkten Bezug zu unserer eigenen Kultur haben (selbst noch bzw. gerade auch wieder heutzutage, wo immer mehr Leute endlich mal aufwachen und verstehen, dass die Kirche und deren Weltanschauung mit uns hier nun mal wirklich überhaupt nix zu tun hat und wir hier im Endeffekt seit über 1000 Jahren (weiter südlich sogar noch wesentlich länger) schlichtweg von so einer Art machtgeilen Virus belagert werden…). Und ich bin mir absolut sicher dass es vielen Fans genauso geht.
Natürlich haben wir auch hier und da immer mal wieder ein paar klassische Metaltexte, siehe „Metal Legacy“ von der „Heading Northe“ zum Beispiel, aber die nordischen Themen gehören bei uns einfach dazu und das wird auch definitiv so bleiben.

Auf dem letzten Album war es, wie das Booklet zumindest behauptete, nicht so, ich muss trotzdem fragen: War Kai Hansen in irgendeiner Form an dem Entstehungsprozess des Albums beteiligt?
Das kannst Du ebenfalls im Booklet zu „Heathen Warrior“ nachlesen: Auch bei dem Entstehungsprozess der neuen Scheibe war Kai zu keinem Zeitpunkt an irgendetwas beteiligt. Solche Sachen behaupten wir auch nicht einfach nur, sie sind Fakt. Viele Leute fragen uns danach, und wir müssen leider nach wie vor zu solchen Statements greifen, um es allen verständlich zu machen: Auch wenn Kai ein sehr guter Freund, Lehrmeister und mit Sicherheit auch Wegbereiter in unseren Anfangstagen war, so können wir mittlerweile sehr gut auf unseren eigenen Füßen stehen. „Heading Northe“ und „Heathen Warrior“ sollten Beweis genug dafür sein.
Welche Art der Schrift oder Sprache stellt das dar, wenn ihr so gerne ein „e“ an eure Wörter anhängt?
Wenn Du es genau wissen möchtest, entstammen die meisten Schreibweisen die wir verwenden dem „Early Modern English“ aus dem Zeitraum etwa Ende 15.- Mitte 17. Jahrhundert (die Zeit zu der u.a. auch Shakespeare seine Werke verfasste), teilweise auch noch dem „Middle English“(12.-15. Jh.).
Diese alten Schreibweisen sind ein perfektes Werkzeug um den Texten noch mehr Bezug zu alter Zeit zu verleihen. Wir würden liebend gerne noch weiter zurückgehen bis man wirklich vom „Old English“ reden kann (Mitte 5. – spätes 11. Jh.), aber dann würden wohl eher wenige Leute noch irgendetwas erkennen… Da muß man dann eben irgendwo den Kompromiß finden…
Ihr wolltet auch irgendwann mal eine DVD veröffentlichen... steht der Plan noch?
Ja, definitiv steht der Plan noch. Momentan warten wir leider immer noch auf den Mitschnitt vom letztjährigen Headbangers Open Air, um einen aktuellen Bonus auf der DVD zu haben. Da sich da aber auch schon wieder seit sechs Monaten nichts rührt, werden wir wahrscheinlich jetzt in diesem Sommer noch eine Show mitschneiden müssen, damit die DVD auch ihren Mehrwert bekommt. Am Anfang gab es ja auch viele technische Probleme mit den Spuren von der Wacken-Show, da einige Spuren nicht richtig abgenommen oder gnadenlos übersteuert waren. Aber nach viel Sisyphusarbeit haben wir das zumindest schon mal in den Griff bekommen und die Sachen aus den anderen Spuren extrahiert. Ich hoffe, dass die DVD dieses Jahr endlich erscheinen wird!
Wie sieht es mit Konzerten oder einer Tour aus? Vielleicht nach den Gigs auf den großen Festivals im Sommer?
Das wäre natürlich wünschenswert und wir arbeiten zusammen mit den Booking-Leuten daran, dass die Fans reichlich Gelegenheit bekommen werden, uns live auf der Bühne zu erleben! Infos wird es rechtzeitig auf unserer Website www.stormwarrior.de geben, welche sich zur Zeit im Neuaufbau befindet, aber sehr bald fertig sein dürfte. Also schaut immer mal wieder vorbei!
Wen würdet ihr als eure musikalischen Vorbilder bezeichnen? Ich höre da natürlich alte Helloween raus, damit auch ein Stück Gamma Ray, aber auch Manowar, und das nicht nur textlich.
Alle vier Bandmitglieder haben einen sehr unterschiedlichen Musikgeschmack und auch entsprechend unterschiedliche Vorbilder. Aber es stimmt natürlich, dass Sachen wie z.B. die ganz alten Helloween ein gemeinsamer Nenner sind. Natürlich stehen wir auch auf die alten Manowar-Sachen, ganz klar, das gehört einfach dazu, wenn man Metal lebt. Gleiches gilt für Priest und Maiden, und natürlich muss ich auch Bathory erwähnen! Ich denke aber, dass wir in unserem Sound mittlerweile auch eine ganz eigene Note drin haben, eben weil wir alle Vier recht unterschiedlich sind. Lars schwört zum Beispiel nach wie vor sehr auf die traditionellere Schiene, die ich persönlich auch sehr mag. Yenz hat einen sehr umfangreichen Background wie Hendrik auch. Ich bin eigentlich eher ein Death Metal-Kid, das irgendwann aber bei den ganzen melodischen Frickel-Soli hängengeblieben ist, haha. All unsere Einflüsse zusammengemischt ergeben unseren Sound, vielleicht manchmal mit ein paar Verneigungen in die eine oder andere Richtung, aber immer eben auch immer erkennbar wir!
Danke für das Interview und noch viel Erfolg mit dem Album und eurer Musik!
Danke Dir und danke an die Fans: Wir sehen uns auf Tour!

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