[Interview]: VANDEN PLAS
Gut vier Jahre nach dem hochgelobten Studio-Epos Christ O veröffentlicht die deutsche Prog-Metal-Formation Vanden Plas am 04. Juni 2010 ihr neues Album The Seraphic Clockwork. Ein faszinierendes Konzeptwerk, das - ungeduldig von den Fans erwartet - erneut nicht nur die großen technischen und kompositorischen Fähigkeiten des Quintetts dokumentiert, sondern gleichzeitig eine imponierende Weiterentwicklung aufzeigt. Vanden Plas schaffen es zum wiederholten Male, ihrem unverwechselbaren Stil neue Impulse zu geben, ohne dabei den typischen Sound der Band zu verwässern. Wir haben uns mit Bassist Torsten über das neue Album unterhalten.
Interview wurde geführt von Steelbound
Hi Torsten! Im Vorfeld des Interviews sagtest du, es wäre bei Vanden Plas sehr viel los. Ich hoffe doch, das ist nur von positiver Natur?
Das Interesse am neuen Album und an Vanden Plas ist sehr sehr groß - obwohl unsere letzte Platte schon 4 Jahre her ist. Was im Moment an Promo, Interviews und Aktionen läuft ist schon viel aber es zeigt uns das die Leute uns nicht vergessen haben sondern auch über die Jahre unsere Aktivitäten verfolgt haben.
Am 4.6. erscheint eure neue Scheibe "The Seraphic Clockwork". Ich perösnlich finde sie sehr gelungen, sie geht meiner Meinung nach auch noch etwas mehr in die Melodic/Power Metal-Richtung als "Christ 0". Würdest du mir da zustimmen?
Stilistisch ist die Neue viel breiter gefächert als die Vorgänger. Auf der einen Seite härter - da gebe ich dir Recht - aber auch orchestraler und melodiöser an anderen Stellen. Wir haben dann sehr lange im Studio verbracht um es vom Gesamtklang unter einen Hut zu bekommen - insgesamt sollte der Sound härter und moderner klingen als bisher - einfach um es vom Sound auch von den Vorgängern abzuheben.
Seid ihr als Band denn zufrieden mit dem Endprodukt? Man hört zwar immer, dass das aktuellste Album immer das beste aus Sicht des Künstlers sei, aber wie würdet ihr das Album in Relation zu euren vorherigen Platten einstufen?
Grundsätzlich glaube ich das sich eine Band immer weiterentwickeln sollte - hätte ich das Gefühl die neueste Scheibe ist keine Weiterentwicklung müsste man sich ernsthaft Gedanken machen.
Bei uns ist es von Platte zu Platte immer besser geworden - nicht nur musikalisch sondern auch das drumherum - wir haben mit jeder Platte einen Schritt nach vorne gemacht. Im Moment sind wir wie stolze Eltern und zeigen unseren Nachwuchs gerne her. :-)
Auch die Story des Albums (welches ein Konzeptalbum ist) aus der Feder eures Sängers Andy klingt sehr interessant. Seid ihr als Band damit aufgekommen oder hat Andy das alles im Alleingang gemacht?
Die Story und damit auch die Texte sind alleine Andys Idee. Er hat ein sehr gutes Gespür für Storys, Szenen und Texte - einfach auch aus der Erfahrung aus unserer Arbeit an Theatern. Er geht dabei wie ein Schriftsteller oder Drehbuchautor vor - z.B. hat er bei der Entwicklung der Story auch Zeit in Rom verbracht um sich Vorort Schauplätze und Details anzusehen. Von der Idee bis zur fertigen Geschichte war es ei langer Prozess den wir als Band natürlich verfolgt haben - aber Andy genießt da unser vollstes Vertrauen.
Wie teilt ihr die Arbeit an einem Album auf, wer hat welche Aufgaben?
Vereinfacht gesagt sind Stephan Lill und Günter Werno die Songwriter und Andy ist für die Texte zuständig. Natürlich sind dann beim Arrangieren und der Ausarbeitung der Songs die ganze Band gefragt und jeder kann sich einbringen. Abgesehen von der “künstlerischen“ Seite ist natürlich jede Band auch ein Unternehmen und da sind auch wieder alle gefragt - immerhin arbeiten wir ja schon 20 Jahre an der “Marke Vanden Plas“.
Was ist für dich das Highlight des Albums? Lass mich raten: "On My Way to Jerusalem" :-)
Nein nicht mehr - im Moment ist es “Holes in the sky“. Hatten es vorab in unsere Setliste aufgenommen und die Nummer hat live so gut funktioniert - das hat richtig viel Spaß gemacht.
Muss aber dazu sagen das meine Highlights sehr schnell wechseln.
Was für eine Metal-Band sehr untypisch ist, ist, dass ihr auch Musicals schreibt und aufführt. Auch der klassische Teil ist da, führt ihr doch am 28.8. in Kusel eine moderne Version von Haydns "Schöpfung" zusammen mit der Kantorei des Evangelischen Kirchenkreises Obere Nahe und dem Barock-Orchester "L'arpa festante" auf. Wie ist es denn zu solchen Aktionen gekommen?
Wir sind durch unsere langjährige Arbeit an Theatern in der Kulturszene natürlich bekannt.
Eigene Musicals sind nur ein kleiner Teil unserer Arbeit ansonsten wirken wir als Musiker in den unterschiedlichsten Bereichen am Theater. Wir haben viel mit und in klassischen Orchestern musiziert und haben da langjährie Erfahrung - deshalb ist man mit dieser Idee an uns herangetreten - das erste Konzert war schon im Mai zur Eröffnung des Kultursommers in Rheinland-Pfalz.
Für uns ist das musizieren mit klassischen Orchestern also nichts neues - doch die Interpretation eines solchen Klassikers wie die “Schöpfung“ war schon spannend.
Glaubt ihr, dass "The Seraphic Clockwork" es ebenso wie "Christ 0" auf die Bühne schaffen wird?
Ideen und Konzepte für eine Bühnenumsetzung sind schon da - Kontakte zu Theatern haben wir auch... - aber ob es soweit kommt entscheiden die Theater. Man muss versuchen Leute an den richtigen Stellen von der Musik und der Story zu überzeugen - Leute die dann auch an den Erfolg solcher Produktionen glauben.
Der Andy hat ja viel bei den deutschen Prog Metallern RED CURCUIT mitgewirkt. Wäre es nicht mal eine Idee, mit den Jungs zu touren?
Sicher wäre das musikalisch ein gute Zusammenstellung. Wir sind gerade an den Planungen für Konzerte für dieses Jahr - aber ob wir eine längere zusammenhängende Tour machen steht noch nicht fest.
Wie ist es für euch, eure Stücke ganz normal auf Gigs zu spielen? Ihr habt ja, besonders in letzterer Zeit, viele klassische und symphonische Elemente in der Musik. Greift ihr da viel auf Samples und ähnliche Hilfsmittel zurück?
An den Stellen an denen es für den Song wichtig ist greifen wir natürlich auf Samples und Sequenzer zurück. Klassische und symphonische Elemente sind schon zu Bestandteilen unserer Musik geworden und die Fans erwarten das natürlich auch auf Konzerten. Wir gehen damit aber vorsichtig um weil ein Live-Konzert sollte immer noch live bleiben - deshalb klingen unsere Song auf Konzerten schon “handgemachter“ als auf CD.
Sucht ihr euch die Orte, wo eure Stücke aufgeführt werden selber aus? Denn dann könnte ich euch *ganz uneigennützig* das Forum in Leverkusen (was zufällig meine Heimatstadt ist) empfehlen. Die Leute da haben echt Ahnung und dort gibt's auch öfters hochkarätige Aufführungen zu sehen (http://www.kulturstadtlev.de/). Oder bleibt ihr lieber bei euch zuhause? :-)
Einzelne Konzerte sind mit solchen Produktionen schwer bis unmöglich zu realisieren.
Man braucht schon die ganze Maschinerie eines Theaters um solche Produktionen auf die Beine zu stellen - Regie, Kostüme, Bühnenbild, Requisiten, Statisten, Ballet, Chor, Tontechnik, Bühnentechnik, Lichttechnik, usw. - ganz abgesehen vom finanziellen Aufwand.
Unsere Stücke würden wir gerne überall spielen - z.B. haben wir ja die Uraufführung von Christ0 im Staatstheater (Gärtnerplatz) in München gemacht.
Naja, man kanns ja mal versuchen. Ich bedanke mich sehr für dieses Interview und wünsche euch viel Glück mit "The Seraphic Clockwork", welches ein großartiges Album geworden ist! Die letzten Worte gehören dir.
Bedanke mich bei dir für das Interview. Ich hoffe das viele Leute die Gelegenheit bekommen mal in unsere Neue reinzuhören - wir sind ja so Stolz auf unseren Nachwuchs :-)
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