[Review] ANGRA - Aqua
ANGRA - Aqua
![]() |
|
4 Jahre hat es gedauert, bis die brasilianische Prog Band Angra dazu in der Lage war, einen neuen Release auf den Markt zu werfen. Allerdings hatte die längere Pause der Band auch ihre Gründe. Es gab seinerzeit einige Schwierigkeiten mit dem Management, die es zu bewältigen galt. Es kursierten aber auch Gerüchte, dass die Band sich dem Ende nähert und es kein weiteres Album mehr geben wird. Letztlich handelte es sich dabei glücklicherweise nur um eine ausgesprochen lange Pause, bis alles geklärt werden konnte und sich die Band wieder aufmachte, um das neue Werk „Aqua“ einzuspielen. Und ich kann gleich vorwegnehmen, dass dieses Album eine absolute Daseinsberechtigung hat.
Dass die Band in all den Jahren was verlernt hat, ist an keiner Stelle zu merken. Eingeleitet wird das Ganze im Gegensatz zu „Aurora Consurgens“ wieder mit einem stimmigen Intro. Mit Gewittersounds wird es dem Opener „Arising Thunder“ auch gleich gerecht. Dieser tritt ordentlich aufs Gaspedal und erinnert eher an die „Rebirth“/ „Temple of Shadows“ Zeit, als an den Vorgänger. „Aurora Consurgens“ war deutlich progressiver und technischer angehaucht, wohingegen „Aqua“ wieder deutlich melodischer klingt und mich genau aus diesem Grund auch eher an die 2 eben genannten Releases erinnert. Natürlich fehlen an keiner Stelle die typischen Angra Trademarks und so bekommt man auch schnell das Gefühl, dass die Jungs gar nicht so lange weg waren.
„Spirit oft he Air“ gibt einem z.B. wieder dieses brasilianische Feeling, wofür diese Band eben auch bekannt ist. Es fehlen auch an keiner Stelle die progressiven Elemente und so klingt „Hollow“ zu Beginn sogar ein wenig spacig und überzeugt mit einem wunderschön seichten Refrain, der sich sofort ins Ohr bohrt. Instrumental zaubern die beiden Gitarristen wieder wunderbare Parts, die einen ins Staunen kommen lassen. Vor allem der Opener zeigt die Stärken der beiden Saitenhexer besonders stark auf und man merkt einfach, wer hier am Werke ist. „Awake from Darkness“ ist wieder einer dieser Angra Songs, der mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit daher kommt und vor allem im Refrain sehr verträumt klingt. Es sind einfach so Momente auf diesem Album, die man nur von dieser Band so zu erwarten hat und wo man meines Erachtens nach lange woanders suchen kann, ohne fündig zu werden. Nichts wirkt künstlich in die Länge gezogen und kein Part wirkt fehlplatziert oder langweilig. Das Werk zeigt einfach die pure Spielfreude dieser Band auf und das ihr Stern noch lange nicht untergegangen ist.
„Aqua“ klingt auch einfach wieder vielseitiger als „Aurora Consurgens“, da sich die Songs auf jenem Album einfach zu sehr haben einschränken lassen, weswegen das Ganze irgendwie nur als Gesamtpaket funktioniert hatte. Bei „Aqua“ könnte ich einen x-beliebigen Song rausnehmen und ihn einfach hören. Damit will ich einfach nur aufzeigen, dass bei „Aqua“ jeder Song ein Unikat ist und auch als einzelner Track super funktioniert. Allerdings sollte man auch hier lieber das ganze Werk auf sich wirken lassen, da es sich so noch um einiges stärker zu entfalten weiß, zumal es eben auch so oder so keine Schwächen offenbart, wenn ihr mich fragt. Seinen Vorgänger stellt es schon mal locker in den Schatten und nach 15 Durchläufen muss es sich auch definitiv nicht vor „Rebirth“ oder „Temple of Shadows“ verstecken, auch wenn es mehrere Rotierungen braucht, um zu zünden.
Fakt ist, dass mich dieses Album bei jedem erneuten Durchlauf enorm fesselt und definitiv eine der Überraschungen 2010 darstellt. Die Instrumental mehr als nur einwandfreie Leistung, die an jeder Stelle gekonnt eingesetzt wird und die erhabene Gesangsleistung von Edu Falashi veredeln dieses Album einfach von vorn bis hinten. Zudem wagt sich die Band auch an Songs, die vielleicht nicht gerade den Megaohrwurm darstellen, die aber in Sachen Atmosphäre und Emotionalität ganz vorn mitspielen. Gemeint ist damit das ruhige melancholische „Lease of Life“, das mit ruhigen Pianoklängen begleitet wird und einfach einen unglaublichen Druck aufbaut, wenngleich ich damit keine ballernden Drums oder ähnliches meine. Jedenfalls ist es auch einer dieser Songs, die dieses Album zu dem machen, was es ist, auch wenn ich prinzipiell jeden einzelnen Song herausgreifen könnte.
Als Fan der Band wird man absolut nichts vermissen und seinen Spaß mit diesem Release haben. Auch einem Neuling dieses Genres würde ich dieses Album sofort wärmstens ans Herz legen, insofern er dazu bereit ist, sich auch ein wenig Zeit dafür zu nehmen.
Für mich persönlich stellt „Aqua“ eine der stärksten Scheiben dieses Jahr dar und jedes weitere Progwerk, welches 2010 erschienen ist mehr als nur locker in den Schatten. Hoffen wir mal, dass diesmal keine 4 Jahre vergehen müssen, bis die Jungs wieder so ein Meisterwerk erschaffen.
Nach oben
Kommentar zu dieser Seite hinzufügen:

















