[Review] DRAGONY - Legends
DRAGONY - Legends
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Eins muss man den Österreichern von DRAGONY lassen: Wenn sie etwas machen, dann machen sie es richtig. Mit „Legends“ liegt hier das gerade mal erste Album vor und schon damit klotzen die sechs Drachenschlächter ordentlich ran. Gemastered von Mikka Jussila in den weltbekannten Finnvox Studios, Gastsänger wie Ralf Scheepers, Tom Tieber von ECLIPTICA und Katarina Bilak von SIREN'S CRY übernehmen diverse Parts auf dem Album, an der Saitenfraktion hilft unter anderem Tom Buchberger von SERENITY aus. Das ist ja fast schon ein Aufgebot wie bei AVANTASIA. Mittelpunkt der CD bleiben natürlich dennoch die eigentlichen Bandmitglieder, und die stehen weder den auf dem Album vertretenen Gastmusiker noch den offensichtlichen musikalischen Inspirationen wie HELLOWEEN, GAMMA RAY oder RHAPSODY OF FIRE in nichts nach.
Und das Album hält, was der erste Blick, sprich der Blick auf das Artwork, verspricht: Fantasy, Epik, und und und. Obligatorisch beginnt das Album mit einem z.B. Rhapsody-typischen Intro, das mit Orchestrierung nicht geizt. DRAGONY haben wohl noch nie etwas vom Spruch „weniger ist mehr“ gehört, und ich gebe zu, in diesem Falle ist das auch nicht nötig. Denn um ehrlich zu sein: Wir vermissen solche Alben wie RHAPSODYs Frühwerke, auf denen einfach nur eine herrliche Fantasy-Atmosphäre herrschte, vor dem inneren Auge epische Landschaften und gnadenlose Schlachten gezeichnet wurden. Genau diesen Geist bringen DRAGONY jetzt aber zurück, „Legends“ ist nämlich sogar ein Konzeptalbum, in dem es um Drachen, das bedrohte Land „Alcador“ und natürlich mächtige Krieger geht. Das alles kombiniert die Band mit dem kraftvollsten, melodischsten und mitreißendsten Power Metal, der in den letzten Jahren das Licht der Welt erblickt hat.
Schon im Opener „Burning Skies“ geht es zur Sache. Eine heftige Highspeed-Hymne jagt den Hörer mit sauschnellen Riffs und drückender Doublebass vor sich her, zu diesem alten Helloween- bzw. Gamma-Ray-Spirit passt dann auch, dass Ralf Scheepers auf dem Stück vertreten ist. Der Refrain hingegen erinnert dann eher an RHAPSODY oder HAMMERFALL – wie alle Refrains auf der CD – und nimmt etwas Geschwindigkeit aus dem Song, nur um etwas Atmosphäre hinzuzufügen.
Atmosphärisch wird es auch beim nächsten, stellenweise verdammt düsteren „Land of Broken Dreams“. Der Refrain bildet zur Strophe einen perfekten Gegenpart: Während es in der Strophe eher elegisch zugeht, zieht der Chorus das Stimmungsbarometer nach ganz oben und glänzt mit einer eingängigen Melodie und leichten Chören im Hintergrund. Apropos Chöre: Die sind auf dem Erstlingswerk der Österreicher auch nicht zu knapp vertreten, ganz nach dem Motto: „Wo wir Chöre hinpacken können, machen wir das auch!“ Naja, ganz so drastisch wird es nicht, aber auch hier hat man sich als Vorbild die typischen Vertreter des sinfonischen Power Metals genommen.
Mehr oder weniger als Bandhymne könnte man den „Dragonslayer“ bezeichnen, eines der stärksten Stücke des Albums. Das liegt jedoch weniger am Gesamtwerk als an dem Geniestreich, dem Refrain. In der Strophe noch recht schnell, erweckt der Refrain den Eindruck, ein langsames Gegenstück zu bilden, nimmt dann aber nach einem Takt richtig Fahrt auf und schließt mit einer betörenden Melodie: „You are the Draaaagonslayyyeeerr!“
SO und nicht anders will ich meinen Symphonic Power Metal!
Bereits vor ein paar Jahren als Demo-Version veröffentlicht, liegt nun der ungeschlagene Höhepunkt der CD vor: „Wings of the Night“. Dieser Song gehört zwar nicht zu den längsten oder epischsten des Albums, begeistert aber mit unglaublichem Abwechslungsreichtum und dem göttlichen Gastgesang von Tom Tieber. Dieser vertont den „Dragon“, während DRAGONY-Sänger Sigi den „Dragonslayer“ übernimmt. Die beiden Jungs harmonieren perfekt, so einen verdammt genialen Song werdet ihr nie wieder in eurem Leben hören. Höhepunkt: Der letzte Refrain, in dem beide zusammen singen.
Die Vocals sind sowieso einer der Vorzeigepunkte des Albums (neben grandiosem Songwriting, virtuoser Technik und genereller Perfektion). Vokalist Siegfried macht hier einen makellosen Job, mehr kann man nicht sagen. Es gibt nichts auszusetzen und seine hohe, aber variable Gesangsstimme harmoniert ideal mit der Musik.
So, nun aber genug Honig ums Maul geschmiert, jetzt will ich mal was negatives sagen.
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Es ist mir Ernst, Leute: An diesem Album gibt es nichts negatives zu erwähnen! In Ordnung, ein einziges Mal habe ich gedacht „Das ist jetzt aber etwas langweilig“, und das war im längsten Song des Albums, „The Longest Night“, der 8 Minuten und 30 Sekunden umfasst. Hier muss ich zugeben, dass mit zunehmender Länge der Song keinen so perfekten Eindruck mehr macht. Das ist aber Kritik auf sehr hohem Niveau, zudem hat sich dieser Langeweile-Effekt erst eingestellt, als ich das Stück geschätzte 30 Mal gehört habe.
Langeweile ist bei diesem Album nämlich SEHR schwer. DRAGONY bezeichnen sich als „Glory Metal“, sind Symphonic Power Metal, vereinen aber dennoch viele Einflüsse in ihrer Musik. So gibt’s auf „Alcador“ astreine Meat-Loaf-Einflüsse, „The Ride“ glänzt mit einer Strophe, in der ich mir als Sänger einen David DeFeis hätte vorstellen können und „Vaults of Heaven“ übertrifft HAMMERFALL auf ihrem ureigenen Gebiet.
Und all diese Einflüsse vermischen DRAGONY zu einem wahrhaftig homogenen Album, das in keiner einzigen Sekunde langweilt, fast immer ein positives Feeling ausstrahlt (wichtig für guten Power Metal!) und nebenbei noch eine Fantasy-Geschichte erzählt, die einem J.R.R. Tolkien gerecht würde (Naja, ihr wisst was ich meine...). Um all das, was ich jetzt gesagt habe, in einen Satz zu fassen: Mit „Legends“ liegt das beste Power-Metal-Album des Jahres vor und es übertrifft auch die meisten Alben der letzten Jahre, nicht zu schweigen von den schwächelnden HELLOWEEN, BLIND GUARDIAN oder auch GAMMA RAY. Wären DRAGONY so bekannt wie die genannten Bands, das Album würde auf Platz 1 in die Charts schnellen.
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