[Review] EDGUY - Age of the Joker
EDGUY - Age of the Joker
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Die Ära des Schalksnarren wird eingeleitet – zumindest wenn es nach den Fuldaern Rockern EDGUY geht. Diese veröffentlichen drei Jahre nach ihrem letzten Werk „Tinnitus Sanctus“ nun ihr neues Album „Age of the Joker“, welches laut Band und Label ihr bisheriges Meisterwerk sei. Das fällt schwer zu glauben, da „Tinnitus Sanctus“ nicht den Eindruck machte, als folge da ein großartiges Album. Zu erzwungen klang die Richtungsänderung der Band. Im Nachhinein ist aber festzustellen, dass „Tinnitus Sanctus“ als Übergangs-Album zu betrachten ist. EDGUY wollten definitiv eine Stiländerung schaffen, was bei dem 2008er-Werk nur begrenzt geglückt ist – ein Testballon. Auf „Age of the Joker“ erzeugen EDGUY jedoch solch einen homogenen und doch variablen Sound, dass ich nur attestieren kann: Transformation geglückt.
Wobei man es nicht unbedingt als Transformation bezeichnen kann, was da mit EDGUY geschehen ist. Nach wie vor sind sämtliche Trademarks der Band bestehen geblieben, eingängige Refrains, nachvollziehbare und doch komplexe Strukturen sowie eine gewisse Portion Power-Metal-Pathos. Das alles wird ergänzt durch diverse neue Soundelemente, wie die Rocker sie auf früheren Alben nicht eingebunden haben. So ertönt gleich im Intro des Openers „Robin Hood“ eine astreine 70er-Jahre Hammond-Orgel, während „Pandora's Box“ zugleich mit einem träumerisch-bestechenden Refrain und Country-Parts aufwartet. Das klingt jedoch in keinem Falle unpassend oder gezwungen, denn Tobias Sammet und seine Mannen verstehen es perfekt, wie sie die verschiedenen Stimmungen miteinander verknüpfen und damit ein Gesamtbild erschaffen, wie es nur Profis können. Auf eindrucksvolle Art und Weise verkörpert „Rock of Cashel“ diese Professionalität. Im Mittelpart erzeugt die Band eine schwer greifbare, mystische Atmosphäre, die von großflächigen Klangteppichen gestützt wird und einige Sekunden später durch eine sehr fröhliche Melodie abgelöst wird. Diese Achterbahn der Emotionen beherrschen Edguy erstklassig und vollendet.
Doch auch ein anderer wichtiger Faktor, der seit den Anfangstagen der Band im Sound präsent ist, wird nicht verachtet: Der Spaß. Spaßig sind alle Songs, ob es eine augenzwinkernde Textzeile ist, oder einfach nur ausgelassene Melodien: EDGUY kennen ihre Wurzeln. Unverhohlen albern wird es dann beim Stück „Two Out Of Seven“, welches aber einen relativ ernsten Hintergrund hat: Tobias beklagt sich über die Musikpresse und die Angewohnheit, Kunst vollkommen subjektiv und mit Punkten zu bewerten. Da fühlt sich natürlich jeder Schreiberling doch etwas mulmig (ja, auch ich), aber im Endeffekt hat Tobias recht: Man kann nicht objektiv über Kunst, in diesem speziellen Falle, Musik richten, denn sobald man ein Album gehört hat, hat man eine Meinung dem gegenüber entwickelt, woraus schon keine objektive Rezension mehr entstehen kann.
Sicher fragen sich auch viele Fans, vor allem die des alten Materials, ob es auch einen typischen, kompromisslosen Power-Kracher gibt. Ja, den gibt es und er nennt sich „The Arcane Guild“. Im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Texte gepaart mit ganz viel Tempo, Doublebass und einem Refrain, der den 80ern entnommen sein könnte, schütteln EDGUY aus dem Handgelenk einen ihrer stärksten Songs. Apropos starker Song: Das ist auch das Herzstück des Albums, der Track „Behind The Gates To Midnight World“. Mit neun Minuten Spielzeit der längste des Albums und definitiv mehr als beeindruckend. Mit deutlichen Reminiszenzen an die „Hellfire Club“-Zeit kreieren die fünf Jungs ein Stück, welches die Bezeichung „episch“ wirklich verdient. Wiederum geht es auf ins Wechselbad der Emotionen, vom sinister klingenden Intro über die leicht psychedelische Strophe in einen malerisch-verträumten Refrain. Ich muss es noch ein Mal sagen: Solche Impression und Emotionalität können nur wenige in eine Form bringen. EDGUY sind Meister ihres Faches.
Mit „Age of the Joker“ legen EDGUY ihr Summum Opus vor, ihr bedeutendstes Werk. Denn heute, 2011, sind EDGUY viel mehr, als sie jemals waren. Unzählige verschiedene Einflüsse diverser Musikrichtungen lassen sich auf diesem Album finden, doch wie mit links meistert Tobi Sammet diese bisher größte Herausforderung und entfesselt das stärkste Album seiner Karriere.
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