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[Review] EDGUY - Age of the Joker

EDGUY - Age of the Joker

Stil: Melodic Metal
Label: Nuclear Blast Records
Songanzahl: 11 Songs
Webseite:

http://edguy.net/

Wertung: 15/15
Reviewer: Steelbound | 19.8.2011




Die Ära des Schalksnarren wird eingeleitet – zumindest wenn es nach den Fuldaern Rockern EDGUY geht. Diese veröffentlichen drei Jahre nach ihrem letzten Werk „Tinnitus Sanctus“ nun ihr neues Album „Age of the Joker“, welches laut Band und Label ihr bisheriges Meisterwerk sei. Das fällt schwer zu glauben, da „Tinnitus Sanctus“ nicht den Eindruck machte, als folge da ein großartiges Album. Zu erzwungen klang die Richtungsänderung der Band. Im Nachhinein ist aber festzustellen, dass „Tinnitus Sanctus“ als Übergangs-Album zu betrachten ist. EDGUY wollten definitiv eine Stiländerung schaffen, was bei dem 2008er-Werk nur begrenzt geglückt ist – ein Testballon. Auf „Age of the Joker“ erzeugen EDGUY jedoch solch einen homogenen und doch variablen Sound, dass ich nur attestieren kann: Transformation geglückt.


Wobei man es nicht unbedingt als Transformation bezeichnen kann, was da mit EDGUY geschehen ist. Nach wie vor sind sämtliche Trademarks der Band bestehen geblieben, eingängige Refrains, nachvollziehbare und doch komplexe Strukturen sowie eine gewisse Portion Power-Metal-Pathos. Das alles wird ergänzt durch diverse neue Soundelemente, wie die Rocker sie auf früheren Alben nicht eingebunden haben. So ertönt gleich im Intro des Openers „Robin Hood“ eine astreine 70er-Jahre Hammond-Orgel, während „Pandora's Box“ zugleich mit einem träumerisch-bestechenden Refrain und Country-Parts aufwartet. Das klingt jedoch in keinem Falle unpassend oder gezwungen, denn Tobias Sammet und seine Mannen verstehen es perfekt, wie sie die verschiedenen Stimmungen miteinander verknüpfen und damit ein Gesamtbild erschaffen, wie es nur Profis können. Auf eindrucksvolle Art und Weise verkörpert „Rock of Cashel“ diese Professionalität. Im Mittelpart erzeugt die Band eine schwer greifbare, mystische Atmosphäre, die von großflächigen Klangteppichen gestützt wird und einige Sekunden später durch eine sehr fröhliche Melodie abgelöst wird. Diese Achterbahn der Emotionen beherrschen Edguy erstklassig und vollendet. 

Doch auch ein anderer wichtiger Faktor, der seit den Anfangstagen der Band im Sound präsent ist, wird nicht verachtet: Der Spaß. Spaßig sind alle Songs, ob es eine augenzwinkernde Textzeile ist, oder einfach nur ausgelassene Melodien: EDGUY kennen ihre Wurzeln. Unverhohlen albern wird es dann beim Stück „Two Out Of Seven“, welches aber einen relativ ernsten Hintergrund hat: Tobias beklagt sich über die Musikpresse und die Angewohnheit, Kunst vollkommen subjektiv und mit Punkten zu bewerten. Da fühlt sich natürlich jeder Schreiberling doch etwas mulmig (ja, auch ich), aber im Endeffekt hat Tobias recht: Man kann nicht objektiv über Kunst, in diesem speziellen Falle, Musik richten, denn sobald man ein Album gehört hat, hat man eine Meinung dem gegenüber entwickelt, woraus schon keine objektive Rezension mehr entstehen kann.

Sicher fragen sich auch viele Fans, vor allem die des alten Materials, ob es auch einen typischen, kompromisslosen Power-Kracher gibt. Ja, den gibt es und er nennt sich „The Arcane Guild“. Im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Texte gepaart mit ganz viel Tempo, Doublebass und einem Refrain, der den 80ern entnommen sein könnte, schütteln EDGUY aus dem Handgelenk einen ihrer stärksten Songs. Apropos starker Song: Das ist auch das Herzstück des Albums, der Track „Behind The Gates To Midnight World“. Mit neun Minuten Spielzeit der längste des Albums und definitiv mehr als beeindruckend. Mit deutlichen Reminiszenzen an die „Hellfire Club“-Zeit kreieren die fünf Jungs ein Stück, welches die Bezeichung „episch“ wirklich verdient. Wiederum geht es auf ins Wechselbad der Emotionen, vom sinister klingenden Intro über die leicht psychedelische Strophe in einen malerisch-verträumten Refrain. Ich muss es noch ein Mal sagen: Solche Impression und Emotionalität können nur wenige in eine Form bringen. EDGUY sind Meister ihres Faches. 

Mit „Age of the Joker“ legen EDGUY ihr Summum Opus vor, ihr bedeutendstes Werk. Denn heute, 2011, sind EDGUY viel mehr, als sie jemals waren. Unzählige verschiedene Einflüsse diverser Musikrichtungen lassen sich auf diesem Album finden, doch wie mit links meistert Tobi Sammet diese bisher größte Herausforderung und entfesselt das stärkste Album seiner Karriere.
  

 

 

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Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Funeralix, 30.09.2011 14:30:33:
Freue mich schon rieesig auf das Konzert im Z7 am 11. Oktober. Eine Wertung über das neue Album abzugeben ist wie Eulen nach Athen (fragt Till Eulenspiegel) tragen!

Kommentar von JackShining, 01.09.2011 01:59:08:
Ich finde das neue Album Klasse und mag den Wandel, der vollzogen worden ist. Man muss bei Edguy ungefähr ab RocketRide eine Grenze ziehen. Man kann die alten und die neuen Alben gar nicht miteinander vergleichen. Aber es ist auch gut so. Ich persönlich fänd es eher ärgerlich, wenn es in der Musik Dogmen gäb.

Kommentar von CM, 31.08.2011 18:21:00:
Die Fortsetzung: Aber die neue Edguy ist wie von Leberwurst schon beschrieben, echt kein Bringer. Schlecht auf keinen Fall, aber 15 von 15 Punkten? 10 von 15 vielleicht. Und "Hellfire Club" - das Superalbum schlechthin ist schon vergessen, oder wie? Sorry, das Problem ist oftmals, dass die Age of Joker schon im Vorfeld abgefeiert wurde wie Harry und jetzt macht sich eher Frust breit. Übrigens: Song Nr.5 und 6- brech! Dafür sind Song 1 und 2 von der Bonus CD der Special Edition geil geil geil! Ansonsten: kein Partyrocker -ala Lavatory Love Machine- nichts vorhanden! Schade schade. Avantasia und Edguy werden sich auch immer ähnlicher. Muss auch nicht sein, oder? Naja genug davon, aber feiert doch nicht immer alles so extrem ab. Wobei das tun sie ja alle! Bei diesen Superlativen gibts ja gar keine Luft mehr nach oben, wenn die Hellfire Club 2 rauskommt, Yihaaa! Nichts für ungut...

Kommentar von CM, 31.08.2011 18:10:50:
Muss auch kurz meinen Senf abgeben, sorry. Eigentlich bin ich mit der neuen Richtung von Edguy einverstanden. Bin Stilistisch eh nicht eingeschränkt, Bluesrock- Deathmetal- blabla- alles klar.

Kommentar von Chris, 27.08.2011 11:57:06:
Hör sie dir öfter an, die wächst sehr. Nach den ersten Durchläufen fand ich sie auch mittelmäßig. "Das ist auch kein Power Metal mehr" - ganz recht, das ist etwas ganz anderes. Insofern dürfte die Platte auch niemandem gefallen, der seinen Metal "pur" haben möchte. Wir feiern AOR Platten ab? Jo, die letzten drei Reviews waren AOR, der Christian steht da halt drauf, ich würde ihm aber auch zustimmen. Damit hat das hier doch aber nichts zu tun. Du scheinst halt einer von den Leuten zu sein, die nichts mit neuen musikalischen Ausrichtungen von Bands anfangen können. Manchen Leuten gefällts, manchen nicht. Ich habe mich damals 2008 auch total über Tinnitus Sanctus aufgeregt. Man muss aber einfach akzeptieren, dass Bands sich verändern, dann geht es schon besser. So habe ich das zumindest bei mir festgestellt.

Kommentar von Leberwurst-Beleidiger, 26.08.2011 20:45:59:
Sorry, aber die Platte ist jetzt nichts so der Knaller. Hab' sie mir heut geholt und finde sie nach den ersten 2 Durchläufen eher langweilig. Das ist alles auch kein Power Metal mehr. Da POWERMETAL4ever.de in letzter Zeit aber eh AOR Platten abzufeiern scheint, passt das schon ganz gut zu euerrm Review. Wahrscheinlich ist das Power Metal Genre aber einfach tot momentan. Aber Edguys neue Richtung trifft meinen Geschmack leider auch nicht mehr. Genau wie viele andere Bands von früher (Hammerfall, Helloween, Stratovarius, demnächst Crystallion). Ich glaub' ich hab' 'ne metallische Sinnkrise...



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