[Review] EMERALD SUN - Regeneration
EMERALD SUN - Regeneration
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Aus dem beliebten Urlaubsland Griechenland stammt nicht nur guter Ouzo und Wein, sondern auch diverse hochwertige Metal-Bands: FIREWIND, INNERWISH, ORION's REIGN – und ein recht unbekannter Neuankömmling. Zwar wurde 2007 bereits „Escape from Twilight“ von den Melodic Power Metallern EMERALD SUN veröffentlicht, das blieb aber – vielleicht auch aufgrund des eher bescheidenen Gesanges – ein Geheimtipp. Nun, 2011, gibt es das neue Album inklusive eines neuen Sängers, passenderweise „Regeneration“ betitelt. Und da geht’s wirklich zur Sache.
Ganz ungeachtet irgendwelcher Finanzkrisen oder Demonstrationen im Heimatland bieten EMERALD SUN hier hochklassigen Power Metal im Stile von STRATOVARIUS, GAMMA RAY und Konsorten. Das Ganze bleibt aber schön bodenständig und hebt trotz Keyboards nicht ab in den überladenen Bombast-Himmel.
„Regeneration“, das bezeichnet die Fähigkeit eines Organismus, verloren gegangene Teile zu ersetzen. Das haben die 6 Griechen mehr als geschafft: Der aufgrund von Stimmproblemen (hat man auf „Escape from Twilight“ gehört...) verloren gegangene Sänger wurde durch einen neuen Mann ersetzt und die teils sehr langweiligen Songs von 2007 finden zum Glück keine Nachfolger auf „Regeneration“.
Ein klares Statement gibt man auch gleich mit dem Opener ab: „We Won't Fall“ nennt der sich und bewegt sich textlich tief im Power Metal, d.h., im Kitsch. Klar wünscht man sich schonmal etwas tiefgründigere Texte als
„Now! We Won't Fall
The Gods are on our side
The Power is in our hands“
etc. pp.
Aber als Power Metal-Fan hat man da schon lange die Schmerzgrenze überschritten – spätestens beim aktuellen MANOWAR-Album. Eingängig ist das Stück allemal und das ist doch das wirklich Wichtige.
Der nachfolgende Song „Theater of Pain“ klingt zu Beginn wie ein STRATOVARIUS-Cover, in der Strophe auch, im Refrain auch... und sonst auch. Naja, warum auch nicht, solange es ein guter Song ist, ist ja alles klar. Und das ist unbestritten, hoffe ich. Wenn bei dem Refrain nicht sofort jeder Fan das Verlangen hat, mitzusingen, kann ich auch nicht mehr helfen.
Mit „Where Angels Fly“ begibt man sich nunmehr in eine ganz unbekannte neue Richtung und verlegt sich aufs HELLOWEEN-kopieren. Das funktioniert aber ganz wunderbar, da EMERALD SUN hie und da sogar auch mal eigene Ideen und Einflüsse einbringen können. Aber ich will ja nicht meckern – heutzutage noch etwas innovatives zu schaffen, ist schwer und geht auch meistens schief. Dann verlässt man sich lieber auf das, was sicher ist: Nämlich, dass viele Power Metal-Fans hier einfach zugreifen werden, da die Musik wirklich stark ist. Ohrwurm-Melodien gepaart mit gutem Gesang und fetten Riffs findet man zwar auf vielen Alben, aber nur auf wenigen so qualitativ hochwertig wie bei EMERALD SUN. Prozentual gesehen.
Der Titelsong „Regeneration“ ist mal ganz unorthodox ein reines Instrumental-Interludium, welches auf das Nicht-Wintersun-Cover „Starchild“ vorbereitet. Gut ist der Track dennoch. Sehr schnell und rifflastig geht die Band hier zu Werke, was dann in einem sehr treibenden Refrain gipfelt, der den „Großen“ Bands in nichts nachsteht.
Mein bisheriger Lieblingssong ist das groovige „Speak of the Devil“, welches mit dezenten MANOWAR-Anleihen („Warriors of the World“) daherkommt, dennoch setzen EMERALD SUN Akzente. Vokalistisch erinnert das Ganze teils sogar an Kai Hansen von... naja, muss ich wohl nicht sagen. Das ganze Stück ist sehr schlicht gehalten und geht ohne großes Geplänkel über in den Refrain, welcher allein durch die guten Gitarren-Riffs und die Gesangs-Melodien überzeugt.
Ganz lustig werden wir dann wieder mit „Planet Metal“, welches sich zu den dreiundzwanzigmillionenvierhunderttausendsechshuntertsiebenundsiebzig anderen Hymnen auf den wahren Stahl stellen darf. In der Bridge singt der Sänger irgendwie „We Live on Planet Gay“, aber wie auch immer: Das Stück ist einfach ein eingängiger Song mit amüsanten Lyrics im Stile von „Eternal Flames of Metal“ von CRYONIC TEMPLE, falls euch das was sagt.
„Chasing the Wind“ ist eine Ballade. Jaha! Und zwar eine der übelsten Sorte: Süßliche Keyboard-Sounds im Hintergrund, aber zum Glück leicht entschleimende Riffs und trotz des grrrroßartigen Textes einigermaßen kraftvolle Vocals.
Nun folgt... das Epos des Albums. „Fantasmagoria“ nennt sich ebenjenes und kann eine Spielzeit von exakt 12 Minuten und 15 Sekunden verbuchen. Worum's hier geht, kann ich euch auch nicht sagen, aber ich kann euch sagen, dass es ein richtig gutes Epos geworden ist. Es erinnert mich zu Beginn gar an den Überkracher „Legacy of Hate Pt. 3“ von CELESTY, aufgrund seines emotionalen Duetts von Mann und Frau.
Nach 4 Minuten und schon jetzt tausend verschiedenen Melodien und Arrangements kommen EMERALD SUN zum ersten Mal zum Doppelfußpedal-unterlegten Refrain, der sicher zu den besten auf dem Album gehört. Hier hat man sich klar Vorbilder wie AVANTASIA genommen und den Song trotz oder auch ob seiner Länge nach der typischen Struktur aufgebaut: Intro, Strophe, Refrain, Strophe,langer instrumentaler Mittelpart, optional mit seichtem Gesang, Refrain, Refrain, Refrain+1 Oktave und so weiter. Das ist aber wirklich sehr gut gelungen – die ganze Band begeistert mit gutem Spiel, virtuosen Soli und hingebungsvollem Gesang.
Der „CD-Bonus“ (hm...) ist dann „Holding out for a Hero“ und hätte auch ein Japan-Bonus sein können, da wir hier einfach nur einen perfekten Melodic Power Metal-Song im Stile von STRATOVARIUS oder SONATA ARCTICA vor uns haben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass EMERALD SUN ihr Debüt um 2000 Prozent übertreffen und eine richtig gute Überraschung hinlegen. Das Album gefällt mir mit jedem Durchlauf immer besser, und so wird’s jedem Melo-Power-Fan auch gehen. Behaupte ich jetzt einfach mal so. Also: kaufen!
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