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[Review] IVORY TOWER - IV

IVORY TOWER - IV

Stil: Progressive Metal
Label: Dust On The Tracks
Songanzahl: 10 Songs
Webseite:

http://www.ivorytower.de/

Wertung: 14/15 Punkte
Reviewer: Steelbound | 23.10.2011
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Man kann das Ziel nur erreichen, wenn man nicht aufgibt. Ungefähr so etwas müssen sich auch die vier Jungs von IVORY TOWER gedacht haben, als sie sich nach einer Schaukelfahrt in Sachen Line-Up an die Produktion ihres vierten Albums, simpel „IV“ betitelt, gemacht haben. Das Ziel der Band kenne ich zwar nicht, aber ich kann es nur gutheißen, dass die Band nicht aufgibt, auch wenn sie nach 3 ordentlichen Prog-Alben in der Szene immer noch so gut wie unbekannt ist. Dabei kann man durchaus sowohl mit songschreiberischer Qualität als auch mit technischem Können aufwarten, wie dieses neue Album beweist. „IV“ ist der Nachfolger des noch etwas positiver klingenden „Subjective Enemy“ - aber nach einigen nicht unbedingt erfreulichen Jahren für die Band kann man es ihnen nicht verdenken. Und ein wenig Düsternis verträgt sich doch immer sehr gut mit Progressive Metal.


Das zeigt bereits der erste Track „Rape Of Time“ auf; hier treffen eingängige Melodien auf enorm heftige Gitarren-Riffs und eine vorzügliche Drumarbeit, die das ganze Album über „ins Ohr fällt“ und dem Sound der Band genau die richtige Kraft verpasst. Der Gesang von André Fischer erreicht vielleicht nicht die Qualitäten der ganz großen Sänger der Szene, was die Band und ihre Musik aber nur umso sympathischer macht. Es muss nicht immer alles perfekt sein, um perfekt zu sein. Gerade die Imperfektion, die nur minimal ist, gibt der Band ihren Charme und ihre eigene Note. So wäre für Soundfetischisten z.B. der Sound des Albums ein Kritikpunkt, da das Ganze stellenweise sehr basslastig ausfällt. Aber genau das ist es, was dieses Album erinnernswert macht.


Auch der zweite Song „Expelled From Heaven“ präsentiert eine wichtige Seite der Band, was zugleich eine wichtige Seite aller Prog-Bands sein sollte: Die Variabilität. Hier gibt es von aggressiven Vocals, wie man sie fast schon vom Hardcore-Bereich gewonhnt ist, bis hin zu melodiösem Gesang alles zu hören, gleiches gilt für den Song selber. Im einen Augenblick wähnt man sich noch in einem düsteren Prog-Stück, und plötzlich kommt die komplett gegensätzliche, leichtfüßige Melodie des Refrains daher. Das alles kombiniert die Band jedoch so gut, dass es nicht nach „Wir-klatschen-Songparts-aneinander“ klingt, sondern wahrhaftig ein homogenes Stück ergibt. Das, und nicht nur das, hat man mit den Genre-Königen Dream Theater gemeinsam. Der Vergleich ist abgedroschen, muss aber her. Vor allem da IVORY TOWER mindestens (!) genau so gut zu Werke gehen in Sachen Emotion und Handwerk die die Traumtheater. Da ist es eine Schande, dass das deutsche Äquivalent zu den US-Amerikanern lange nicht so bekannt ist wie ihre Vorbilder.


Dass es nicht immer laut sein muss, bewahrheitet sich in der leicht depressiven, sehr glaubwürdig vorgetragenen Ballade „Loss“. Auch den ruhigen Ton hat Sänger André drauf, während die Saitenfraktion es bei unterstützenden Akkorden belässt und im Hintergrund ein Keyboard leise die Atmosphäre gibt. Hiermit zeigen IVORY TOWER endgültig, dass sie ihre Musik beherrschen. Jeder der Songs ist ein progressives Highlight, ob es nun das nicht ganz so proggige „Rape Of Time“ sei, das mit schönen Gitarren-Leads ausgestattete „Wailing Wall“ oder auch das teils sehr speedige „We're Lost“.


Lyrisch finden wir auf „IV“ auch eher Schwermütiges als freudiges, so zum Beispiel einiges an Sozialkritik. Das passt wunderbar zur Musik und wird durch das starke Cover und die atmosphärisch-stimmigen Artworks im Booklet ergänzt. Ach ja, es ist natürlich Pflicht, solch eine CD physikalisch zu kaufen, da man nur so den ganzen Genuss erfahren kann und mithilfe der Texte sowie der Bilder wirklich in der Musik versinkt.


Mit „IV“ zeigen IVORY TOWER wiederum, wie stark sie sind. Im Gegensatz zu früheren Alben ist jedoch hier wirklich jeder Song bemerkenswert, was möglicherweise bedeutet, dass die norddeutschen Jungs endlich mal im Bewusstsein eines etwas größeren Kreises ankommen. Verdient hätten sie es!

 


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