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[Review] PAGAN'S MIND - Heavenly Ecstasy

PAGAN'S MIND - Heavenly Ecstasy

Stil: Prog/Power Metal
Label: SPV Records
Songanzahl: 11 Songs
Webseite:

http://www.pagansmind.com/front/

Wertung: 14/15 
Reviewer: Steelbound | 20.4.2011




Die norwegischen Prog/Power Metaller Pagan's Mind sind bisher ohne größeres Interesse an mir vorbeigezogen. Das neue Album „Heavenly Ecstasy“ war aber Anlass genug, sich doch etwas mit der Band zu beschäftigen. Besonders, da mir gesagt wurde, dass es auf dem neuen Album weniger verschachtelt zugeht als auf den vorherigen Alben. Das deutet schon das Artwork an: Waren alle Cover der Band bisher blau, ist dieses Rot-Orange; so etwas steht oft für eine Veränderung der Musik. Und ich kann sagen, im Gegensatz zum Vorgänger-Album gehen Pagan's Mind sehr viel melodischer und eingängiger zur Sache. Zwar bleibt der Prog-Anteil hoch, das ist klar, aber Pagan's Mind finden die richtige Mischung, um die alten Fans zu behalten und gleichzeitig neue hinzuzugewinnen.


Das zeigt auch der erste Song „Eyes Of Fire“, der sehr geradlinig und mit einem hymnischen Refrain daherkommt. Das geht fast schon Richtung Power Metal, dank der vertrackten Gitarren-Arrangements und des Dream Theater-mäßigen Mittelparts wird aber das technisch hohe Niveau und der Anspruch früherer Alben beibehalten.

Es fällt auf, dass die Norweger viel Wert auf virtuose – und gerne auch lange – Soli legen. Das könnte einige Hörer stören, die dadurch den Fluss des Songs in Gefahr sehen. Meiner Meinung nach ist das aber kein Nachteil, im Gegenteil: Pagan's Mind binden das Solo, so wie die Soli auf dem ganzen Album, ideal in den Song ein, bringen neue Melodien ein und variieren bereits gehörte, sodass auch während des Solos keine Langeweile aufkommt, sondern der Hörer viel eher noch gefesselter wird.


Gefesselt ist man auch vom folgenden Song, „Intermission“, der mit modernen Sample-Einschüben aufwartet, aber gleichzeitig ein fast schon neoklassisches Solo präsentiert und mit dem Refrain den Melodic Metal streift. Mit seiner Vielfalt und der dennoch vorhandenen Eingängigkeit überzeugt er auf Anhieb, was nur wenige Bands so gut schaffen. Der Refrain ist einer der besten auf dem Album, stampfende Drums geben die Basis für eine Melodie, die sofort ins Ohr geht und den vorzüglichen Gesang von Nils K. Rue.

Dem entgegen stellt sich der zu Beginn sehr heftige, fast schon doomige Track „Into the Aftermath“. Das verläuft sich aber im Verlaufe der Anfangssequenz, kehrt in der Strophe aber umso kräftiger und mit garstigem Gesang versehen wieder. Der Refrain hingegen ist wieder typisch: Teilweise Doublebass, eine Melodie, die hauptsächlich bloß von der Stimme Nils K. Rue getragen wird. Der Song stellt gewissermaßen auch den Titeltrack dar, kommen in seinem Text doch als einziger die Wörter „Heavenly Ecstasy“ vor.


Der melodischste Track des Albums ist sicher „Walk Away in Silence“. In der Strophe überraschen rockige Gitarren im Stil von Jorn Landes Soloband JORN. Qualitativ sind aber Pagan's Mind hier auf der höheren Ebene, der Chorus kommt genauso wie die vorhergegangenen typisch für Melodic Metal vor.

SPV Records titulieren Pagan's Mind in der Werbung zu“Heavenly Ecstasy“ inzwischen auch als „Melodic Metal Band“, was bezeichnend ist. Die Band findet eine ausgeglichene Mischung aus progressiven Elementen und eingängigen Arrangements.

Das beweist der Longtrack des Albums, „Revelation to the End“ auf grandiose Art und Weise. Auf den achteinhalb Minuten kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf, viel zu divers ist der Song in sich. Von stampfenden Headbang-Riffs über harten, fast schon schwarzmetallischen Gesang bis zur Entladung aller Spannung im Refrain erschafft die Band ein Gebilde aus virtuosen Strukturen und leichten Melodien. Dieses Gebilde ist aber keineswegs „schwer“, d.h. Nicht nachvollziehbar, sondern bleibt in sich schlüssig. Der Hörer orientiert sich an den atmosphärischen Strophen, die ihn immer wieder zur garstigen Bridge bringen, welche ihn dann dem episch-emotionalen Chorus überlässt. Solch einen ausgeklügelten Song in einer perfekten Umsetzung habe ich lange nicht gehört.

Hervorzuheben ist zudem unbedingt die Halbballade „Live your Life like a Dream“, welche mit einem hervorragenden Text aufwartet und gleich nach dem ersten Hören hängen bleibt. Höhepunkt ist auch hier, wie in den meisten Songs von „Heavenly Ecstasy“, der Refrain. Die Melodie passt sich den Texten an und erzeugt damit fast schon ein Gänsehaut-Feeling.


Darauffolgend haut „The Master's Voice“ den Hörer aus der Ruhe: Mit Highspeed und Doublebass gepaart mit dominanten Riffs geht es geradewegs in den härtesten und schnellsten Song des Albums. Auch hier taucht wieder der starke Schreigesang von Nils K. Rue auf. Das alles gipfelt in dem ebenso harten Refrain, bis eine sphärische Passage in der Mitte des Tracks kurz die Geschwindigkeit rausnimmt, bevor es wieder mit Tempo ins Solo geht.


War „Live your Life like a Dream“ noch eine Halbballade, ist „When Angels Unite“ eine Ganzballade. Hier fällt besonders die stimmliche Nähe Nils' zu Olaf Hayer (Dionysus, Symphonity, Magic Kingdom etc.) auf. Und das ist beileibe ein großes Kompliment, ist Olaf Hayer doch einer der besten Sänger der deutschen, wenn nicht gar der weltweiten, Metal-Szene. Mit seinen zwei Minuten Spielzeit bietet der Song ein perfektes Interludium, getragen von seichten Klavier-Melodien und bereitet auf den lezten Song „Never Walk Alone“ vor. Der ist nochmal mit seinen mit Piano unterlegten Bridge und Refrain ein reiner Melodic Metal-Kracher, wären da im Hintergrund nicht noch die Prog-typischen Gitarrenspielereien. So zeigen sich Pagan's Mind nochmal von ihrer besten Seite und beweisen, dass sie es nach wie vor draufhaben.


Die Norweger sind nicht länger blau, sondern rot, aber das ist keine große Änderung: Die Prog-Anteile wurden minimal zurückgeschraubt, die Melodic Metal-Anteile im Gegenzug gestärkt. Das vergrault keine alten Fans, holt aber neue ins Boot und stellt zugleich ein verdammt starkes Prog/Power-Album dar. Mein erstes Überraschungs-Highlight 2011!






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