[Review] SEPULTURA - Kairos
SEPULTURA - Kairos
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Und jetzt die Metalvorhersage. Aus Südamerika ereilt uns aktuell das Tief "Kairos", welches am Tag für viel Gejammer, Gemotze und Gebashe sorgen wird - Sepultura sind zurück. Zwei jahre nach "A-lex" legt die seit einiger Zeit von Grund auf neu besetzte Band den nächsten Szenespalter vor, der die typischen Oldschool-Nörgler mal wieder nicht zum Schweigen bringen wird und auch garnicht will.
Sind wir mal ehrlich: Welcher dieser Blender möchte die Cavalera Brüder noch ernsthaft in den Reihen Sepulturas sehen? Was Iggor und Max seit einigen Jahren mit ihren "Zugpferden" Soulfly und Cavalera Conspiracy abliefern, ist absolut nicht der Rede wert. Nicht mal ansatzweise. Hätten Sepultura es nötig, anno 2011 alleine von vermeintlich "wichtigen" Namen zu leben, dann könnte man die beiden vllt. als Wasserträger aufnehmen. "Kairos" ist selbstbewusst, aggressiv und direkt - eben all das, was den letzten Cavalera-Veröffentlichungen gänzlich abgeht.
Früher war deren Output sicher erste Sahne, zugegeben, die ersten paar Sepultura Alben waren echt klasse, aber man darf doch ganz stark daran zweifeln, dass sie dieses Unterfangen im 21sten Jahrhundert noch relevant umsetzen können. Dafür hat die neu formierte Truppe um Frontmann Derrick Green schon zu viel Staub aufgewirbelt. Das Besondere daran ist ja, dass es eben etwas anderes ist. Aus welchem Grund auch sollte man irgendwelche Geschichten fortführen, wenn einen nichts mit diesen verbindet. Den oben genannten Kritikern wird "Kairos" jedenfalls zu langsam und zäh sein, nur selten suchen die Brasilianer das Uptempo. Diesen Kompromiss geht man bewusst ein, da das Material des mittlerweile zwölften Albums dadurch ungezwungen und daher gewollt aus den Boxen tönt. Das sorgt über die vollen 54 Minuten zwar für den ein oder anderen Gähner, ist aber trotz dessen ein Qualitätsgarant, weil das Material sehr ambitioniert rüberkommt.
Und technisch sind die Jungs immernoch eine Klasse für sich, was vor allem durch das songdienliche Schlagzeugspiel und die vielen (nach einigen Durchläufen) einprägsamen Riffs und Soli ans Tageslicht kommt. Verfeinert und aufgelockert wird das durch ungewöhnliche, brasilianisch angehauchte Drumparts, die man zum Beispiel im Titeltrack entnehmen kann. Trotz dem allgegenwärtigen Midtempo hat man sich dann mit "Relentless" dann doch zu etwas zügigerem hinreißen lassen. Ich kann mir nicht helfen, das Intro erinnert an "Refuse/Resist". Was nicht hätte sein müssen sind die kleinen Song-Intros "2011", "1433" und "5772", die wohl irgendwie auf den 8-minütigen Rauschmeißer "4648" hinlenken sollen.
Für mächtig Groove haben Sepultura mit "Mask", "Seethe" (geschickter Tempowechsel!) und dem Ministry-Cover "Just one fix" gesorgt, die künftig auch live für ordentlich Stimmung sorgen sollten. So avanciert "Kairos" nach und nach zu einem Hoch, einem Album, welches sich nicht vor der Vergangenheit der Band versteckt und durchaus eigenständig klingt. Hier und da gibt es sicher die ein oder andere Unstimmigkeit, technisch und stimmlich (Herr Green klingt angepisst wie eh und je) aber ist das im Gesamtkontext verdammt gut und nicht wie das Wetter voller Hochs und Tiefs.
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