[Review] SILVERLANE - Above the Others
SILVERLANE - Above the Others
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SILVERLANE sind den meisten Metal-Fans sicher geläufig, da zum einen Drummer Simon Michael mit SUBWAY TO SALLY sehr erfolgreich ist und die Band selber 2009 bereits mit "My Inner Demon" ordentlich abräumen konnte. Wer hat nicht heute noch Refrains solcher Überhymnen wie "Wings of Eternity" oder "The Dark Storm" im Kopf?
Nun schickt sich die Band um die 5 Jungs und das eine Mädel an, sich erneut zu übertreffen – und dem Albumtitel nach sogar auch noch alle anderen Bands.
Das Line-Up hat sich glücklicherweise nicht verändert in der kurzen Zeit, immer noch ist eine großartige Instrumental-Fraktion am Werke und Sänger Ecki ist nach wie vor einer der besten der Szene.
"Above the Others" nennt sich das neue Werk aus dem Hause SILVERLANE, mit dem man die Herzen aller Power Metal-Fans im Sturme erobern sollte, wenn ich das mal so blumig ausdrücken darf. Das Coverartwork ist schlicht, aber dennoch edel gehalten, auch wenn ich die Farbe als nicht ganz so glücklich bezeichnen würde, da mich das Muster dann doch eher ein wenig an Spinnennetz erinnert. Aber egal, die Musik ist das, was zählt.
Mit dem Titeltrack startet man gleich durch in der Absicht, keine Sekunde Langeweile zu erzeugen. Hier drückt sich bereits die etwas rockigere Seite SILVERLANEs aus, auf welcher man überflüssige Parts vergebens sucht – sämtliche Songs sind auch songdienlich gehalten, d.h., es gibt keinerlei stundenlange, pseudo-epische Intros, Interludien oder wie auch immer man das alles nennt, nein, die Band kommt sofort auf den Punkt.
Man hört der Band ihre Selbstsicherheit sofort an, denn SILVERLANE versuchen gar nicht erst, in dem ausgelutschten Power Metal-Feld um EDGUY, GAMMA RAY, HELLOWEEN, SONATA ARCTICA, STRATOVARIUS etc. Ein gutes Output abzuliefern (was heutzutage auch nicht mehr zu schaffen ist), sondern bleiben lieber wie schon beim Erstling in ihrer ganz eigenen Sparte, die zwar dem Genre der genannten Bands sehr ähnlich ist, aber mit viel mehr "Biss" überzeugen kann – die Musik hat einfach mehr Charakter und ist erfrischend modern, ohne die Tradition des Genres vermissen zu lassen. Kurz: SILVERLANE sind besser als die oben genannten Bands. Man kann sagen, was man will, die Art und Weise, wie SILVERLANE hier noch zocken, ist den großen Bands schon längst abgegangen, während SILVERLANE immer noch mit Leidenschaft ihre Musik darbieten.
Auch das nachfolgende Stück "1789" kann mit seinem beachtlichen Tempo, der durchgedrückten Doublebass sowie den verspielten, aber effektiven Melodien überzeugen. Der Textinhalt muss wohl nicht erklärt werden, auch wenn dieser recht gegensätzlich zur Musik ist. Revolutionär ist sie nämlich beileibe nicht, aber darum geht's auch nicht. Spaß muss die Musik machen, und das tut sie.
Der Track "Last Day on Earth" ist bereits im Vorfeld der CD veröffentlicht worden, begeistert mich aber auch nach 100 Durchläufen noch. Der Song erinnert stark an AVANTASIA, welche auch Wert auf gepflegten Bombast legen, wie er auf "Last Day on Earth" unzweifelhaft vorhanden ist.
Sowieso ist das ganze Album voller Orchestraler Elemente, welche sich aber glanzvoll in die Arrangements einbinden, sodass kein unangenehmer Eindruck von Überladung wie bei vielen anderen Bands entsteht.
Nach dem Midtempo-Stück "Last Day on Earth" folgt das sehr schnelle und unangenehm basslastige (Produktionsfehler?) "Fallen Angels". Hier dürfen zum Vergleich gut und gerne die Kollegen von EDGUY herangezogen werden mit ihrem gleichnamigen Stück, welches der SILVERLANE-Version zum Verwechseln ähnlich kommt, besonders der Refrain. Egal, brillantes Stück aus der Oberklasse des Power Metal.
Jetzt erstmal Schluss mit den Lobhudeleien. Was mir schon auf "My Inner Demon" missfallen ist, waren die Balladen. Diese waren nämlich maximal in Ordnung, aber keineswegs großartig. Die Texte waren ganz nett, aber eben balladentypisch. Auch auf "Above the Others" sind zwei Balladen enthalten. Die erste folgt jetzt, "The Game", die zweite ist am Ende des Albums mit "Anything" platziert. "The Game" nimmt das Tempo etwas raus und hat auch einen ganz guten Refrain, von dem Song bleibt aber nichts bei mir hängen, wie schon bei "My Inner Demon". Vielleicht liegts an mir, aber auch ganz objektiv betrachtet sind die Balladen weder kompositorisch noch textlich Meisterwerke. Hier muss ich leider sagen, dass die beiden Stücke kleine Ausfälle in dem sonst sehr guten Album sind. Klar, für die Band sind die Balladen sicher sehr gut und drücken gefühlvoller als die anderen Songs die Gedanken aus, aber für den Hörer sind sie einfach nur ein wenig langweilig. Hier springt der Finger schnell zur Skip-Taste.
Das muss aber kein Nachteil sein, denn dann kann sich der Hörer am stampfenden "The Dark Side in You" erfreuen. Da kann ich nicht viel zu sagen, das Stück reiht sich in die durchgängig guten SILVERLANE-Stücke ein, ohne sonderlich herauszustechen, übertrifft aber noch locker die meisten anderen Bands des Genres.
Und jetzt heißt es: "Get Ready To Rock"!!! Wie der Titel schon sagt, ist das ein verdammt rockendes und arschtretendes Stück, welches schon ein wenig selbstherrlich rüberkommt, was mit so einem Song aber auch erlaubt sein dürfte. Ein total vorhersehbarer Refrain und insgesamt ein total typischer Live-Song, aber einfach sowas von genial... ein Ohrwurm für Jahre.
Mit "The White Lady", Part I-IV, folgt nun das Kernstück des Albums. In insgesamt ca. 16 Minuten wird die Sage der Weißen Frau wiedergegeben, ein Gespenst, welches in mehreren Schlössern europäischer Adelsfamilien gespukt haben soll.
Interessantes Konzept mit einer guten Vertonung. Das Intro "A Ghost Appears" stimmt schön auf den göttlichen Kracher "The Golden Needle" ein, welcher den Hörer mit "fanfarenhaften Melodieläufen" (O-Ton Pressetext) beeindruckt. Dem kann ich aber auch nur zustimmen, dieses Stück steht in keinster Weise dem grandiosen Titelsong oder z.b. "Last Day on Earth" nach.
"Between the Trees" ist wieder ein atmosphärisches, kurzes Stück, auf welches der Midtempo-Song "Days of Sorrow" folgt. Auch dieser ist eine Klasse für sich mit seinen düsteren Melodien und dem kräftigen Drumming.
Nach diesem Epos folgt mit dem erwähnten "Anything" eine Verschnaufpause. Eine gute Ballade. Mit einem Schwachpunkt.
Der Gesang ist verzerrt.
Das zerstört den Song. Das Stück hätte sich vielleicht sogar zu etwas besserem als einer typischen Ballade entwickeln können, aber diese Verzerrung der Vocals war wirklich ein Griff ins Klo. Ich weiß nicht, was sich die Band dabei gedacht hat, bei solch einem gefühlsvollen Song mit dem Thema Selbstmord die VOCALS ZU VERZERREN!!!???
Egal, ignorieren.
Das Ende wird nun von "In The End" bestritten, welcher gütigerweise einen himmlischen Power Metal-Song im Stile von STRATOVARIUS, um mal einen guten Vergleich zu ziehen, darstellt. Der Refrain ist schön vollgepackt mit einem freundlichen Chor, und auch das Tempo passt sich dem Song insofern an, als dass es ein ordentliches Uptempo-Stück ist.
Ich glaube, man merkt, dass mir langsam die Formulierungen ausgehen. Glücklicherweise ist das Album jetzt vorbei, auch wenn von mir aus noch 20 weitere Großtaten wie "Above the Others", "1789" oder "Fallen Angels" hätten folgen können.
Denn wenn eine Band auf Albumlänge fast durchgängig ein solch hohes Niveau durchzieht, dann kann ich – und auch der Metal-Fan – nicht verachten, sodass man das Album noch mindestens fünf weitere Male im Player durchlaufen lässt.
Obligatorisches Fazit:
SILVERLANE liefern ein geniales Power Metal-Werk jenseits jeglicher Standards mit einem innovativen und modernen Touch ab, ohne ihre eigenen Wurzeln zu vergessen. Besser als jedes aktuelle Werk der sogenannten "Power Metal-Großmeister", um mal keine Namen zu nennen.
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