[Review] SONIC SYNDICATE - We Rule the Night
SONIC SYNDICATE - We Rule the Night
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Sonic Syndicate sind nach 2 Jahren mit neuem Sänger zurück und wollen nun die Nacht erobern. „We rule the night“ heißt das neue Werk, wo Nathan J. Biggs mit seiner Stimme zum ersten Mal ein ganzes Album veredeln konnte. Bereits auf der EP „Burn this City“ zeigte sich, dass er eine absolute Bereicherung für diese Band ist und auch die Digital Single „Revolution, Baby“ hielt die großen Erwartungen an dieses Werk nicht zurück. Tja, wie klingen Sonic Syndicate nachdem seit ihrem letzten Werk nun wieder 2 Jahre vergangen sind und auch das Besetzungskarussell ein wenig gedreht wurde? Prinzipiell entfernen sie sich nicht großartig von „Love and other Disasters“, aber kleine Unterschiede sind dennoch zu erkennen. Vor allem an der Grundstimmung wird deutlich, dass man hier diesmal viel düsterer ans Werk gegangen ist, was der bärenstarke Opener „Beauty and the Freak“ auch sofort aufzeigt. Jener drückt dem Hörer auch eine gewaltige Atmosphäre auf, wie man sie meiner Meinung nach von dieser Band noch gar nicht kannte und somit stellt dieser Song dann doch schon irgendwie was Besonderes dar. Der Refrain bietet absolutes Gänsehautfeeling und so gern ich Roland Johansson als Sänger auch mochte, komme ich bei diesem Song nicht dazu, ihn zu vermissen, wenn ich ehrlich sein soll.
Nathan singt einfach mit einem unglaublichen Gefühl in der Stimme und weiß damit auch den Hörer zu fesseln. Dass man bei Sonic Syndicate eher auf Ohrwurm und Atmosphäre getrimmt ist, sollte mittlerweile bekannt sein. Großartige Mittelparts, Soli oder ähnliches sind eigentlich Mangelware, aber das sind eben auch nicht die Dinge, die diese Band ausmachen. Die Kombination aus Screams und dem cleanen Gesang beherrschen Sonic Syndicate allerdings wie kaum eine andere Band in diesem Genre, das muss man ihnen lassen. Man macht ja auch absolut keinen Hehl daraus, dass man den Leuten Songs präsentieren möchte, die relativ einfach gestrickt sind und teilweise sogar schon ein wenig an modernen Power Metal erinnern. Aber eben genau dadurch wirkt auch dieses Album wieder enorm frisch und alles andere als abgenutzt, auch wenn es wie immer wieder viele Hater geben wird, die die Band als Popshit abstempeln werden. Sicherlich klingt die Band teilweise sehr soft und auf „We rule the night“ ist das sogar noch eher der Fall, als auf dem Vorgänger, aber Fakt ist doch, dass es funktioniert oder nicht?
Entweder kann man sich damit anfreunden oder man macht einen großen Bogen um die Band. Die ersten beiden Songs wirken wirklich sehr atmosphärisch und druckvoll und dann folgt mit „Turn it up“ einer dieser „Wir sind cool und hauen euch auf die Fresse“ Songs. Es mag sein, dass der Song gerade wegen seines übertriebenen Schlagzeugeinsatzes etwas aufgesetzt klingt, aber auch hier schafft es die Band einfach, den Hörer irgendwie in seinen Bann zu ziehen. Die Songs können noch so merkwürdige Anleihen haben, letztlich funktionieren sie einfach und das ist auch das simple Prinzip von „Sonic Syndicate“. So ist diese Band groß geworden und man möge mich erschießen, aber trotz des sehr simplen Vorgehens würde ich sie unter Millionen Bands immer noch erkennen. Sie verbinden Metalcore, Power Metal, Pop und Electro auf eine einzigartige Art und Weise, die ich in der Form noch nicht gehört habe und kreieren so ihren komplett eigenen Stil. Dadurch hat es die Band letztlich auch geschafft, zu einem Flaggschiff des Modern Metals zu werden, auch wenn das viele immer noch nicht wahr haben wollen. „Burn this city“ sollte ja schon allgemein bekannt sein und hier wird der Ansatz des modernen Power Metals sehr deutlich. Der Refrain strahlt eine gewisse Happiness aus, die zugleich aber irgendwie auch total emotional klingt. Auch die Electro Elemente sind besonders im Refrain sehr stark auszumachen und so kann man selbst bei der simplen Vorgehensweise der Schweden doch noch viele Details hervorheben. Man muss hier und da eben auch mal genauer hinhören und nicht nur den sehr ohrwurmverdächtigen Refrain wahrnehmen, auch wenn dieser natürlich im Vordergrund steht. Die größte Stärke des Albums bleibt für mich aber der Sänger, der Emotionen einfach auf eine Art und Weise zu transportieren weiß, die mir immer wieder die Gänsehaut auftreibt.
Gerade in der 2. Hälfte des Albums wird nochmal die deutlich düsterere Ausrichtung deutlich, was vor allem „Plans are for people“ mit einer unverkennbaren Keyboardmelodie und der Titeltrack mit seinem starken Mitgrölrefrain aufzeigen. Prinzipiell klingt das Album zumeist typisch nach Sonic Syndicate, aber eben gerade die atmosphärische und düstere Ausrichtung wird einfach immer wieder deutlich. Man wollte denk ich mal auch einfach dem Albumtitel gerecht werden und an so gut wie jeder Stelle gelingt das auch sehr gut. Ich bin ein bekennender Fan der Band und bin auch mit „We rule the night“ wieder mehr als nur zufrieden.
Zwar fehlen mir so absolute Kracher wie „Powershift“, aber das trübt den Gesamteindruck kaum, zumal dazu die Gesangsleistung von Nathan einfach viel zu stark ist. Man merkt, dass die Jungs und Mädels wieder sehr akribisch gearbeitet haben, um auch diesem Werk ihren Stempel aufzudrücken, ohne sich zu sehr zu kopieren, aber auch ohne ihre typischen Trademarks zu vernachlässigen. Fans des letzten Albums können sowieso blind zuschlagen und den Hatern sei nochmal gesagt, dass die Band eine Daseinsberechtigung hat, weil sie eine völlig neue Spielweise in den Modern Metal integriert hat, wie ich sie für einzigartig halte.
Hoffentlich geht es auch in Zukunft weiter so steil bergauf für die Band, denn für overrated (das heißt auf Deutsch auch "überbewertet"! - Steelbound) halte ich sie auf keinen Fall. „We rule the night“ ist wie für mich zu erwarten war, das Highlight des Modern Metals im Jahre 2010!
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