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[Review]: VANDEN PLAS - The Seraphic Clockwork

VANDEN PLAS - The Seraphic Clockwork

Stil: Power/Progressive Metal
Label: Frontiers Records
Songanzahl: 9 Songs
Dauer: 72:48
Webseite: www.vandenplas.de/
Wertung: 15/15
Reviewer: Steelbound | 29.5.2010
 




VANDEN PLAS – Dieser Name verkörpert inzwischen schon kraftvollen, komplexen und progressiven Sound, wie ihn nur diese eine Band auf ein Album pressen kann. Die deutschen Progressive Metaller hatten schon immer eine Affinität für ausufernde Werke, trickreiche Arrangements und epische Orchestrierungen. Zuletzt lebten sie dies auf dem 2006'er Studio-Album "Christ 0" aus, welches es sogar als Musical-Adaption auf die Bühne schaffte. Das ist etwas ganz und gar außergewöhnliches, aber wenn man mal nachdenkt, kommt man zu dem Ergebnis, dass der Progressive Metal, und besonders die Stücke von VANDEN PLAS sich für solche Ereignisse am besten eignen. Und da wird noch gesagt, die Metal-Szene sei engstirnig – VANDEN PLAS beweisen das Gegenteil!

Doch natürlich wurde "Christ 0" nicht nur als Bühnen-Stück gelobt, auch die CD fand allerhöchsten Anklang, sowohl bei den Fans als auch bei der Presse, welche das Album teils als Prog Metal-Album des Jahres nannte, und sich zumeist vor Komplimenten überschlug. Was damals gerechtfertigt war – "Christ 0" war wirklich ein großartiges Album - , versucht nun die Band mit dem neuen Output "The Seraphic Clockwork" 2010 zu wiederholen – oder gar zu übertreffen?


Über letzteres kann man streiten, ersteres muss wohl jeder für sich entscheiden. Ich habe meine Entscheidung bereits getroffen und will auch gar nicht um den heißen Brei reden: Das Album ist ein Jahrhundertwerk. Ich hatte zwar gedacht, nach "Christ 0" kann's nicht besser werden, aber wie immer hatte ich Unrecht. VANDEN PLAS schaffen es wieder, auf einem Album ihren ureigenen Sound mit neuen Einflüssen zu ergänzen, wobei das Endergebnis immer hörbar VANDEN PLAS bleibt. "The Seraphic Clockwork" ist ein Gesamtwerk, welches nur funktioniert, wenn man sich wirklich Zeit nimmt und es mindestens ein Mal in Ruhe hört. Auch einzelne Songs laufen recht gut rein, allerdings sind diese dann im wahrsten Sinne des Wortes "aus dem Konzept gerissen". "The Seraphic Clockwork" ist nämlich, wie schon "Christ 0", ein gelungenes Konzeptalbum. Geschrieben ist das Ganze von Mastermind und Sänger Andy Kuntz und behandelt die Zeitreise eines im 16. Jahrhundert in Rom lebenden Protagonisten. Dieser erlebt eine Vision vom Ende der Welt und reist geheimnisvollerweise ins Jahr 33 nach Christus zurück, wo er sich seiner gottgewollten Bestimmung stellen muss. Das alles klingt sehr vielversprechend und kann mit einem Andy Kuntz nur gut werden. Der Mann weiß, wie man komplexe Themen interessant und spannend aufbereitet und in einem zeitgemäßen Zusammenhang bringen kann. "Es geht darum, der Fügung nicht entkommen zu können", sagt der Fronter.


Damit wäre eines geklärt: Bücher schreiben kann die Band. Jetzt feht nur noch eines. Natürlich die Musik. Und die könnte nicht passender auf den Leib einer solchen Geschichte geschneidert sein, als der epische und orchestrierte Progressive Metal der Band, der manchmal kompliziert und sehr wuchtig daherkommt, manchmal aber auch einfach nur geradeheraus eine melodische Melodie nach der anderen feuert.


Ein großer Vorteil – zumindest für mich – ist die Tatsache, dass das Album zumeist mehr Wert auf die letzteren Momente legt, also recht eingängig ist, aber dennoch sehr komplex bleibt. Sowas habe ich zuletzt bei MOB RULES erlebt, welche man Durchaus als Blutsbrüder von VANDEN PLAS betrachten könnte, auch wenn erstere noch einen Tacken Power-Metallischer zu Werke gehen. So haben VANDEN PLAS auf "The Seraphic Clockwork" den entscheidenden Schritt zum Herauswachsen aus dem Progressive Metal geschafft, und agieren zumeist Genre-Übergreifend mit viel Vorliebe für klassische Musik sowie Arrangements. Nicht selten fühlt man sich in melodischen Mittelparts an Theater-Aufführungen oder klassische Symphonien erinnert.


Besonders bei solchen epischen Stücken wie "The Final Murder", "Rush of Silence", oder, am allermeisten, "On My Way To Jerusalem" beweist die Band ihr Können. So überzeugt "On My Way To Jerusalem" mit seinen 13 Minuten Spielzeit nicht direkt beim ersten Mal. Legt man die Platte ein und hört man sich dieses Stück an, sitzt man am Ende einfach nur mit offenem Mund da, so komplex und auf den ersten Blick bzw. "Hör" nicht nachvollziehbar erscheint das Stück. Komplex ist es – Nicht nachvollziehbar auf keinen Fall. Denn es ist, wie jeder Song auf dem Album, ein Stück, welches mit jedem Hördurchlauf wächst. Selbst jetzt, als ich diese Worte schreibe und mir den Song dabei anhöre, entdecke ich immer wieder neue Facetten des Songs. Der Tempowechsel in der Mitte, der emotionale Gesang von Andy Kuntz, die melodischen Lead-Gitarren – da stimmt einfach alles, und das weiß die Band. "The Seraphic Clockwork" strotzt nur so vor Selbstvetrauen, ohne welches die Band sich an ein solches Monster-Epos sicher nicht gewagt hätte. Doch, wir wissen: VANDEN PLAS können es einfach. Doch auch kürzere Stücke wie das Opener-Trio "Frequency", "Holes in The Sky" und "Scar of an Angel" reißen des Hörer restlos mit. Denn diese bringen nur partiell den sehr komplizierten Progressive-Einfluss mit, welcher die Songs nicht direkt öffnet. Nein, stattdessen kann man "Holes in the Sky" fast schon als Power Metal-Stück bezeichnen, während "Scar of An angel" sowie "Frequency" ein Hybrid aus Progressive und Power sind.


Noch etwas fällt gleich zu Beginn auf: Die unglaubliche, großartige Stimme von Andy Kuntz. Wie er die Worte "My Apocalyptical Dream of the Man behind the Mask!" über dem stampfenden Drum- und Gitarrenrhythmus intoniert, ist einfach nur genial. Auf "Christ 0" wurde mir das noch nicht ganz so klar, aber mit "The Seraphic Clockwork" steigt er auf jeden Fall in die Liga meiner Lieblingssänger auf – was wirklich nur sehr wenige sind. Dort kann er sich dann mit Legenden wie Bruce Dickinson oder Rob Halford messen. Stimmlich ist er zwar keineswegs in der Nähe dieser Sänger, aber seine Stimme ist einfach extrem variabel und sogar eher im Melodic Metal angesiedelt. Da fällt mir auch kein wirklicher Vergleich ein, man muss ihn gehört haben. Und wer ihn hört, liebt ihn.


Das allergrößte Zeugnis für sein verdammt gutes Organ ist der Bonustrack "Eleyson". Da ärgere ich mich: Warum nur ein Bonustrack? Warum nur? Das Stück beginnt und endet mit einem angemessenen Applaus eines Publikums, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das Stück wirklich live ist. Das Einzige, was mich daran zweifeln lässt, sind nämlich die Gesangskünste Andys, welcher dabei von tiefsten Tiefen auf die höchsten Töne kommt, ohne auch nur einen Ton zu verfehlen. Und das soll bitte niemand falsch verstehen: Das war kein Vorwurf, dass das Stück nachbearbeitet sei, sondern ein Kompliment an den Sänger! Hört man sich den göttlichen Part am Ende an, wo Andy teilweise extrem hoch und dabei auch noch mit leichtem Vibrato singt, kann man es gar nicht fassen. Ich auch nicht, und es in Worte zu fassen ist noch schwieriger. Ich schmeiße vielleicht mit unglaublichen Adjektiven um mich, das weiß ich, aber hier meine ich es ernst. Mit so einer Leistung wie auf "Eleyson" ist Andy der beste Sänger, den ich je gehört habe. Ohne Wenn und Aber.


Jetzt aber genug der Lobeshymnen (der ist aber auch gut!) und zu anderen Themen.


Auch die Rhythmus-Fraktion, welche hier aus einem Gitarristen, Bassisten und Drummer besteht, kann voll und ganz überzeugen. Gitarrist Stephan Lill spielt wie für zwei und steuert wirklich passende und zumeist recht melodische Riffs als auch Leads bei, wohingegen Bassist Torsten Reichert den Songs Akzente versetzt, die sie auf die letzte Stufe heben, sozusagen das I-Tüpfelchen auf dem Ganzen. Auch Drummer Andreas Lill (Möglicherweise der Bruder vom Gitarristen? hm...) ist technisch einer der versiertesten seines Geschäftes und kommt dabei dem Großmeister des Genres, Mike Portnoy, sehr nahe.


Im Fazit haben VANDEN PLAS mit "The Seraphic Clockwork" ein Meisterwerk abgeliefert, das seinesgleichen sucht und alle anderen Werke der Band übertrifft. Hiermit sind sie auf dem Hörepunkt ihres Schaffens. Okay, das habe ich schon bei "Christ 0" gedacht. Vielleicht funktioniert's ja nochmal und VANDEN PLAS toppen das hier nochmal? Unwahrscheinlich, ab einem bestimmten Grad geht's nämlich nicht mehr besser. Das Album ist absolut Langeweile-Sicher, da man mit jedem Durchlauf etwas Neues entdeckt, das Konzept im wahrsten Sinne des Wortes göttlich und Sänger Andy Kuntz gibt mir den Rest. Ich denke immer "Meine Güte, du kannst einem Album doch nicht so viele Punkte geben, da bleibt ja kein Platz mehr nach oben!", aber wenn man nicht Schlechtes an einem Album entdeckt – wirklich nichts! - und es besser ist als so ziemlich alles, was man in letzter Zeit gehört hat, bleibt einem ja wohl keine andere Wahl, oder? Von daher gebe ich dem Album die Höchstpunktzahl. Genau so wie das Konzept ist auch das Album:

Seraphic.

 


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