Avantasia - The Wicked Symphony
AVANTASIA - The Wicked Symphony
![]() |
|
Avantasia - für viele stellt dieser Name das " Who is who " der Rock- und Metalszene dar. Tobias Sammet, auch bekannt als Mastermind der deutschen Power / Melodic Metaller Edguy, startete im Jahr 2001 sein Nebenprojekt mit den Meilensteinen "A Metal Opera Part I / II ", welche durch ihre prägnante Hintergrundgeschichte und ihre musikalische Klasse weltweit für Furore sorgten und mittlerweile als Paradebeispiele für Power Metal der obersten Güteklasse zählen. Mit dem Album "The Scarecrow" aus dem Jahr 2008 und dem darauf deutlich erkennbaren Stilwechsel mussten die Fans jedoch erst einmal akzeptieren, dass die Geschichte um den jungen Dominikaner-Novizen Gabriel ihr Ende gefunden hat und eine neue Handlung aufgestellt wird. Jedoch wurde ab diesem Album die Geschichte nicht mehr durch die Songs erzählt, vielmehr dienten die Songs als "Momentaufnahmen" aus bestimmten Situationen der Geschichte - Sammet verglich das mit den Opern von Wagner, bei denen sich der Hörer diverse Aspekte der Handlung selbst ergründen muss. Diese Strategie wird auch bei den gespannt erwarteten und bereits heiß diskutierten Alben "Angel of Babylon" und "The wicked Symphony" weiterverfolgt.
Das Album beginnt mit dem Titeltrack "The wicked Symphony", der ähnlich "Stargazers" einen starken Opener darstellt. Dem düster-ruhigen, von Streichern getragenen Intro folgt ein Epos, das mich in seiner Art an "The scarecrow" vom gleichnamigen Album erinnert. Toller Anfang, wenngleich ich "Stargazers" um eine Winzigkeit besser finde.
"Wastelands" ist ein Höhepunkt des Albums. Hier wird Power Metal par excellence zelebriert, an dem eigentlich kein Fan etwas auszusetzen haben sollte. Michael Kiske und Tobias Sammet sind beide göttlich aufgelegt , während die Double-Bass und die Gitarren genau die treibende Stimmung erzeugen, die ich am Power Metal so liebe. Klasse!
Ebenso hochklassig geht es weiter mit "Scales of Justice", bei dem sich niemand geringeres als Tim "Ripper" Owens ( ex Iced Earth / Judas Priest ) die Ehre gibt. Wo "Wastelands" den Power Metal repräsentiert, steht "Scales of Justice" ganz in der Tradition des Heavy Metal - hart und treibend, angepeitscht von der Stimme von Owens. Ab der dritten Minute wird der Hörer wieder überrascht, der Zwischenteil bringt eine durchaus angenehme Abwechslung in das Stück.
"Dying for an angel", der erste Song, zu dem ein Video gedreht wurde, wartet mit Klaus Meine ( Scorpions ) am Mikro auf. Zwar zeigt sich der Song eher poppig und einfach, fügt sich jedoch gut ins gesamte Album ein und zeigt deutliche Ohrwurm-Qualitäten. Ich behaupte jedoch, dass sich hieran die Geister scheiden - manchen mag das Lied einfach zu glattgebügelt zu sein.
Für "Blizzard on a broken mirror" muss ich leider das am meisten verhasste Adjektiv überhaupt anführen - nett. Der Song hat einen starken Anfang, die Strophen zeigen sich gefällig, aber ab dem Refrain will der Funke nicht richtig überspringen. Trotzdem - ein netter Song.
"Runaway Train" brauchte bei mir eine längere Anlaufzeit. Mittlerweile, nach mehreren Malen des Hörens, habe ich jedoch Gefallen an dieser mit einem Klavier eingeleiteten Ballade gefunden. Zwar stellt sie nicht das Non-plus-Ultra der balladesken Songs dar, zeigt sich jedoch solide und wartet mit einem etwas überraschenden, schnelleren Mittelteil auf. Hier werden alle Kräfte aufgeboten - Bob Catley, Michael Kiske, Jorn Lande und Tobias Sammet alle in einem Song.
"Crestfallen" ist zunächst einmal ungewöhnlich. Das Keyboard-Intro ist auf jeden Fall nichts, was man vorher schonmal von Sammet gehört hätte und macht dennoch neugierig. Der Song erweist sich dann insgesamt als einigermaßen interessante Rock-Nummer, sticht meiner Ansicht nach aber nur durch das Keyboard und den ebenfalls ungewohnten Refrain heraus.
Power Metal - Puristen dürfen mit "Forever is a long time" aufatmen, hier kommen sie wieder voll auf ihre Kosten. Eher im Mid-Tempo-Bereich angesiedelt, überzeugt der Song mit tollem Gesang von Lande und Sammet, eingängigen Instrumenten sowie einem gewissen Mitsing-Faktor im Refrain - gesetzt den Fall, dass Avantasia mit diesen Alben überhaupt nochmal auf die Bühne geht.
"Black Wings" startet wieder in eher rockiger und gleichzeitig düsterer Manier. Von der Atmosphäre erinnert mich es in gewisser Hinsicht an "Symphony of Life" und wartet mit Ralf Zdiarstek auf, der Fans noch vom Album "Metal Opera Part II", genauer aus dem Song "Memory", bekannt sein dürfte. Der Song zeigt sich eher schleppend und dennoch stampfend und prägnant, ein letztes Urteil sollte sich aber jeder selbst bilden - ob der Song gefällt oder nicht, das dürfte meines Erachtens nach Geschmackssache sein.
Der nächste Höhepunkt des Albums ist "States of Matter", das sich als mein absoluter Lieblingssong BEIDER neuer Alben herauskristallisiert hat. Das Zusammenspiel von Russel Allen ( Symphony X ) und Sammet sowie das Instrumental trifft genau den Nagel auf den Kopf - dieser Song müsste eigentlich allen Fans von Avantasia, wenn nicht sogar allen Power Metal - Fans gefallen.
Zu guter Letzt "The Edge", ein Song, zu dem ich leider nicht viel Gutes sagen kann. Meiner Meinung nach eine Popschnulze, die bis zum Schluss nicht überzeugen kann. Leider ein schwacher Abschluss für ein ansonsten starkes Album.
Zusammenfassend steht "The wicked Symphony" dem gleichzeitig erschienenen "Angel of Babylon" in nichts nach, meiner Meinung nach ist es sogar einen Ticken besser geraten, was an "Wastelands" und "States of Matter" liegen dürfte, die genau meinen Geschmack getroffen haben. Ebenso wie "Angel of Babylon" kann ich "The wicked Symphony" eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen - mit beiden Alben hat Tobias Sammet zwei Werke geschaffen, die für mich schon jetzt zum Besten gehören, was das Jahr 2010 bietet und bieten wird.
Nach oben
Kommentar zu dieser Seite hinzufügen:

















