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NEVERMORE - The Obsidian Conspiracy

NEVERMORE - The Obsidian Conspiracy

Stil: Progressive Thrash Power Metal
Label: Century Media
Songanzahl: 10 Songs
Dauer: 44:41
Webseite: www.myspace.com/nevermorefans
Wertung: 14,5/15
Reviewer: Steelbound | 18.5.2010
 




In jeder zweiten Presse-Info liest man inzwischen, dass das jeweilige Album schon jetzt ein Klassiker sei, die Band damit einen Oberhammer abliefere und sicher zur Legende avancieren werde – wenn sie es nicht schon sei. Auch im Falle NEVERMORE trifft es zu, dass das Label natürlich mit Lob um sich schmeißt, aber hier, das muss ich wirklich sagen, stimmt es zu. Ob man die Band als "Legende" bezeichnen kann, sei dahingestellt, aber sicher ist eins: Die Band liefert seit den 90'ern beständig starke Alben ab, wobei das letzte Album aus 2005, "This Godless Endeavor", das bisherige Highlight der Karriere der Band darstellte. Allerdings gebe ich zu, dass mich das Album irgendwie nicht sehr angesprochen hat, trotz den genialen Kritiken bin ich nicht wirklich Freund mit ihm geworden. Auch jetzt noch nicht, aber vielleicht wird das ja noch. Jetzt, im Jahre 2010 steht "The Obsidian Conspiracy" an. Und nach circa 10-Maligem Hören kann ich folgendes sagen: Das Album ist ein gottverdammtes Meisterwerk und wird nicht langweilig.

Die Songs sind absolut abwechslungsreich, kurzweilig, emotional und zugleich progressiv und technisch perfekt. Gitarrist Jeff Loomis begeistert mich immer wieder auf's Neue, besonders der Beginn vom Titeltrack, wo er ein richtig geiles Riff inklusive Tapping abliefert, beweist, wie stark der Mann an seinem Instrument ist. Des Sänger's Stimme, Warrel Dane's Stimme, passt einfach perfekt zu den Songs – sehr düster zumeist, aber auch in der Lage, hohe Töne anzuschlagen. Zwar sind die Vocal Lines teils sehr verworren und merkwürdig, hat man sich aber einmal hereingehört, wird das Ganze einfach nur klasse.


Das Album startet mit dem, vom Instrumentalen her, sehr an technischen Death Metal erinnernden Stück namens "The Termination Proclamation". Gleich hier fällt auch NEVERMORE's Vorliebe für interessante und tiefgehende Songtitel sowie -texte auf. Ganz im Gegensatz zum Instrumentalen steht Warrel's sehr melodische Stimme, die den Song in den Refrain leitet, der mit recht abgedrehten Lead-Gitarren, die sich aber perfekt in den Song einbinden, überzeugt. Viele Bands versuchen es, solchen wie NEVERMORE nachzumachen: Sehr komplexe Songstrukturen, die aber gleichzeitig eingängig sind. Und ich würde mal behaupten, 99% schaffen das nicht, im Gegenteil zu NEVERMORE. Einfach göttlich. Schon bei dem Opener merkt man, dass die Band aber diesmal nicht auf ausufernde Songs, sondern auf knackige Kompositionen anstatt von langweiligen Langstücken Wer legt. Hier war, wie die Band sagt, Produzent Peter Wichers für verantwortlich – und sie sind zufrieden damit.

Wo wir davon sprechen: Die Produktion, der Sound des Albums, ist auch richtig gut. Ausgewogen mit Fokus auf die Gitarren und drückenden Drums. Da will ich kein schlechtes Wort verlieren. Auf "The Posion Throne" überrascht die Band mit "Chor-Shouts", die "Rise!Rise!Rise!" intonieren. Was sich aber nach einer Power Metal-Band anhört, ist in der Praxis einfach total fett und eingängig, aber zugleich sehr düster. Insgesamt ist "The Obsidian Conspiracy" aber meiner Meinung nach sehr viel packender als der Vorgänger. Der Hörer findet sich leichter in's Album hinein, so erging es mir bei "This Godless Endeavor" nicht. Auch der nachfolgende Track "Moonrise (Through Mirrors of Death)" ist sehr melodisch, höchstwahrscheinlich der eingängigste Song des Albums. Hier greift auch das Lyrik-Prinzip, wenn sich einzelne Textzeilen in's Hirn brennen. Hier wäre das im Refrain: "I Feel the consequence of everything you left unsaid.... and now you're dead.". Einfach klasse, wie die Band den progressiven Teil mit tollen Melodien verbindet.

 

Der vierte Track "And the Maiden Spoke" ist sicher einer der härtesten. Instrumental mal wieder sehr technisch-deathig, erinnert der sehr hektische Rhythmus an Thrash Metal. Sowieso würde ich als Grundgenre von NEVERMORE Thrash Metal angeben, allerdings sind auch die Heavy, Progressive als auch Power-Einflüsse so groß, dass ich die Band am liebsten in keine Schublade stecken würde, denn hier fällt das wirklich schwer.

Wieder wirklich extrem melodisch ist "Emptiness Unobstructed". Einfach so ein geiler Titel, wie auch bei dem Rest der Songs. Bei NEVERMORE stimmt einfach das Gesamtpaket: Die Kombination aus Cover-Artwork, Titel, Songtitel, Lyrik und Musik, alles passt perfekt und zieht den Hörer in die Welt von NEVERMORE. Einfach mal Kopfhörer aufsetzen, laufen lassen und die Texte mitlesen. Sowas findet man nicht oft, also Leute, nutzt die Gelegenheit und kauft dieses Album! "The Blue Marble and the New Soul". Jo. Genau. Genau so merkwürdig wie der Titel ist auch der Song, der mit leisen und wenig harmonischen, cleanen Gitarren-Akkorden beginnt. Warrel singt auch sehr unharmonisch, aber niemals unmelodisch. Dieser Song vereint einfach die gesamte Progressivität und Melancholie dieser Band in sich.

"Welcome to Planet Hate!" heißt es im Text. Hier will ich auch nicht zu viele Worte verlieren – Der Song ist ein absolutes Highlight. Auch die nächsten drei Songs fallen alle in eine ähnliche Kategorie wie der Opener – sehr melodisch, technisch und progressiv sowie sehr knackig und eingängig. Besonders "The Day You Built the Wall" (der nicht von der Berliner Mauer handelt) ist sehr gut und verbindet die Härte von Songs wie "Moonrise" mit der Melancholie von "The Blue Marble and the New Soul". Als letzten Song hat man den Titelsong gewählt, den ich bereits vorher erwähnt hatte. Und der haut richtig rein. Musikalisch sehr modern, fast schon im Bereich Metalcore angesiedelt, zumindest von den Riffs her, begeistert mich das Gitarren-Spiel wirklich. Diesen Song würde ich auch zu den schneller ins Ohr gehenden des Albums zählen. Die Doublebass drückt richtig durch, was in Verbindung mit diesem richtig schnellen und präzisen Riffing von Jeff Loomis eine tödliche, äh, ne, aber geniale und effektive Mischung ergibt. Diesen Song kann man sich Tausendmal anhören, er ist so genial. Lustigerweise muss ich auch noch einen kleinen Vergleich machen: Warrel erinnert mich partiell an Serj Tankian, was besonders im Refrain auffällt. Aber warum nicht, ist ja auch ein klasse Sänger. Warrel übertrifft jedoch niemand.

 

Insgesamt gibt es auf diesem Album keinen Ausfall. Jeder Song ergibt für sich etwas sehr gutes, im Gesamtbild jedoch zieht das Ganze erst recht. Einfach ein Meisterwerk, was die Band hier veröffentlicht, diese Kombination aus Melodie und Progressivität begeistert mich immer wieder, besonders da das annähernd keine Band schafft. Dafür gibt es einen Daumen hoch. Okay, zwei Daumen hoch und eine entsprechende Punktzahl. Well Done.


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