Rhapsody of Fire - The Frozen Tears of Angels
RHAPSODY OF FIRE - The Frozen Tears of Angels
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Denkt man an Rhapsody of Fire, dann kommt einem vor allem epischer Metal mit viel Herz in den Sinn, aber leider auch der Gedanke, dass eine Band zugrunde gehen könnte. Letzteres war mal, denn die Herren sind nun endlich back! Wie lange musste man als Fan zittern und hoffen, dass es eine neue Zukunft für Rhapsody of Fire geben würde…Da seinerzeit ganz klar die Aussage getätigt wurde, dass es bezüglich der Band keine News mehr geben wird, solange die ganze Rechtslage nicht geklärt ist, wurde das Warten natürlich noch unerträglicher. Eine schier endlose Schlacht, die einfach nicht zu ende gehen wollte. Streitpunkt war das Label von Manowar Legende Joey Di Maio, wo es rechtlich gesehen wohl ein Dorn in seinem Auge war, was Herr Turilli bezüglich seiner Solo-Projekte so veranstaltet hat. Was genau da aber nun vorgefallen ist, weiß keiner so genau und nach 4 bangen Jahren des Wartens kann das einem schlichtweg auch egal sein.
Dennoch ist es für mich und sicher auch für einige aus der Metal Welt eines der größten Comebacks der letzten Jahre und mit Nuclear Blast hat man nun auch ein sehr prestigeträchtiges Label gefunden, welches der Band absolut gerecht wird. Leider gabs auch da noch mal ein großes Trara, nachdem die Band im November 2009 das große Comeback bekanntgab und einen Albumrelease für den 5. März 2010 bereits ankündigte. Denn ab diesem Zeitpunkt erwartete den treuen Fan erneut eine lange Zeit des Wartens und der offenen Fragen. Ohne dies groß zu kommentieren, wurde am Tag des eigentlichen Releases die neue offizielle Website der Band online gestellt mit einigen Infos und dem neuen Date, welches nun auf den 30. April verlegt wurde. Ende gut, alles gut…
„The Frozen Tears of Angels“ heißt das gute Stück und es schließt nahtlos an der Geschichte an, die beim letzten Werk „Triumph or Agony“ endete.
Wie es sich für Rhapsody of Fire gehört, wird das Album natürlich mit einem epischen Intro eingetrudelt und man stellt sofort fest: Nicht nur die Band ist zurück, sondern auch ihr Weggefährte Christopher Lee, der damals auf der „Symphony of Enchanted Lands II“ einige Sprecherparts und auch ein gesangliches Duett mit Sänger Fabio Lione übernahm. Auch hier ertönt glücklicherweise wieder seine tiefe Stimme, welche dem Ganzen die nötige Atmosphäre verleiht. „Dark Frozen World“ bringt es genau auf den Punkt und wirkt nicht so künstlich gestreckt, wie es beim Intro des letzten Albums der Fall war. Viel Chor, viel Atmosphäre und die eben genannte Stimme von Christopher Lee machen den Beginn sofort unvergesslich.
Das Intro geht nahtlos in den Opener „Sea of Fate“ über, welcher erstmal alle typischen Rhapsody of Fire Trademarks aufweist. Druckvolle Drums und melodische Riffs von Meister Turilli. Allerdings schwingt das Tempo dann ein wenig um und Fabio Lione präsentiert sich mit einem sehr melancholisch angehauchten Gesang. Der Refrain konzentriert sich 100% auf die Stimme des starken Vocalisten, denn Chorparts sucht man hier vergebens. Für mich ein relativ ungewöhnlicher Opener, den ich so garantiert nicht erwartet hätte. Der Song ist eher im Midtempo angesiedelt, auch wenn er manchmal seine Kragenweite verlängert und das Tempo etwas anhebt, was dem Song eine gesunde Abwechslung verpasst und ihn stellenweise auch etwas aggressiver erscheinen lässt. Erwähnenswert ist vor allem der Mittelteil, wo sich Gitarre und Keyboard eine kleine Schlacht liefern. Luca Turilli ist wie immer über alles erhaben und bedient sein Gerät gekonnt schwungvoll. Das Keyboardsolo von Herrn Staropoli klingt für Rhapsodyverhältnisse sehr ungewöhnlich und modern. Allerdings ist genau das erfrischend anders und weiß durchaus zu gefallen. Bis auf die Tatsache, dass es sich bei „Sea of Fate“ um den Opener handelt, hat man hier also alles richtig gemacht.
„Crystal Moonlight“ schlägt dann doch wieder eher in die Kerbe des Uptempos, wirkt aber nicht unbedingt wie ein typischer Rhapsody Song. Vor allem das Keyboard klingt auch hier wieder sehr modern und man merkt es der Band an, dass sie erwachsener geworden ist und ein bisschen was ausprobieren möchte. Dennoch klingen die Jungs hier teilweise so, wie man es von ihnen kennt. Sie schaffen bei diesem Track die perfekte Verbindung zwischen den typischen Trademarks und einigen innovativen Elementen. Der Refrain dürfte viele an das letzte Output von Kamelot erinnern und groß wundern werden sich die meisten da sicher nicht, weil Rhapsody bereits einen Song genau dieser Band mal gecovert haben. Dennoch besitzt er absolut seinen eigenen Charme und besticht mit einem schnellen Gitarrensolo, worauf ein ruhigerer Part folgt, der mir von der Melodielinie her einfach Freudentränen in die Augen treibt. Daumen hoch!
Mit „Reign of Terror“ folgt nun der wohl härteste Rhapsody Song bis dato. Der Titel steigert sich am Anfang ganz langsam mit einem flüsternden Fabio Lione. Sein Flüstern entwickelt sich anschließend zu Gesang und auch musikalisch kommen immer mehr Elemente hinzu, bis das Ganze explodiert und ein richtiges Feuerwerk auf den Hörer los lässt. Man beachte die beherzigten Screams von Fabio und die unglaublich geil klingenden Gitarren. Das harmoniert so was von perfekt. Auch die Strophe ist richtig schön druckvoll und strotzt nur so vor Power. Viel Chor, viel Epic und eine Bridge, die erneut die verdammt starken Screams vom Vocalisten in den Vordergrund stellen. Der Refrain ist dann das absolute i-tüpfelchen und löst bei einigen Hörern sicher eine Art „Erguss“ aus. So müssen Rhapsody einfach klingen!
Auch im Mittelpart zeigt die Band ihr ganzes Können, denn Mastermind Luca Turilli beherrscht seine Gitarre nun mal wie kein Zweiter. Da fühlt man sich schon in alte Rhapsody Zeiten zurückversetzt und kommt ins Schwärmen…Was ich besonders genial finde, ist die Tatsache, dass auch Akustikgitarren zum Zuge kommen, was man bei Rhapsody bislang doch äußerst selten zu hören bekam. Mitunter ist „Reign of Terror“ wohl eine der stärksten und besten Rhapsody Nummern, die ich je gehört habe und sie sollte bei der Tour im Spätsommer definitiv nicht fehlen!
Natürlich darf auch ein Italo Track nicht fehlen und mit „Danza di fuoco e ghiaccio“ bekommt der Hörer diesen nun auch serviert. Der Song beginnt sehr ruhig und atmosphärisch, lebt von der Stimme Christopher Lee’s. Dann setzen Akustikgitarren ein und eben die typischen Folkelemente wie z.B. die allseitsbeliebte Flöte. Der Song nimmt dann mit den Drums ein bisschen Fahrt auf, ehe er in den Strophen wieder etwas ruhiger wird und Fabios Gesang ins richtige Licht rückt. Allerdings klingt das Ganze hier und da doch recht außergewöhnlich, da sich gewissermaßen eine Westernatmosphäre breit macht. So was habe ich in der Form auch noch nicht gehört, finde aber durchaus Gefallen daran. Der Refrain stellt dann aber wohl die positivste Überraschung dar, weil er einfach nur Spaß macht und den Hörer fesselt. Endlich mal ein Italo Track, der keine Ballade ist! Gelungen ist auch der Mittelteil, wo uns Luca Turilli auch mal seine Akustik Gitarren Skills näher bringt. Sehr beeindruckend, was der Mann da auf die Saiten zaubert! Der Endpart bringt zwar nicht mehr den Refrain mit sich, besticht aber mit einer tollen Inszenierung von Fabios Gesang im Zusammenspiel mit dem Chor.
„Raging Starfire“ bietet nun mal wieder alles, was das Herz eines Rhapsody Anhängers begehrt. Kickstart, druckvolle Drums, typisches Keyboardgeplänkel und eine sehr epische Bridge, die nur so strotzt von der Power des Chors. Sie erinnert mich ein wenig an die Bridge von „Triumph or Agony“, wirkt aber definitiv intensiver. Zwar findet man beim Refrain keinen Chor vor, aber die Melodie ist so wunderschön verträumt und dürfte den Großteil der Fans umhauen. Da spielt man wieder alte Stärken aus und an diesem Punkt muss ich noch mal unbedingt hervorheben, dass sich Fabio Lione über die Jahre zu einem perfekten Sänger entwickelt hat, der einfach das nötige Gefühl inne hat, um solche Songs glaubwürdig rüber zu bringen. Der Mittelpart ist einer der besten, die ich von den Jungs bislang gehört habe, einfach unglaublich! Tolles schnelles und druckvolles Gitarrensolo, aber auch ein geniales Keyboardsolo veredeln den Song auf die beste Art und Weise. Da weiß man manchmal schon gar nicht mehr wohin mit seinem Lob.
Nun kommen wir aber zum größten Schwachpunkt des Albums, der Ballade. Keineswegs ein schlechter Song, aber eben total vorhersehbar. Man könnte meinen, dass gerade „Lamento Eroico“ läuft. Zwar ist „Lost in cold dreams“ durchweg in englischer Sprache gesungen, doch klingt sie einfach nur wie eine weitere Kopie der bereits bestehenden Rhapsody Balladen. Da lagen einfach noch nie die Stärken der Band. Sie schaffen es nicht, mal eine Ballade der ganz besonderen Art zu komponieren, welche sich von den anderen abheben kann. Zwar kann man den Song ohne weitere Probleme hören, doch sollte man nichts allzu großes erwarten.
„On the way to ainor“ macht aber eigentlich alles sofort wieder wett und besticht mit seiner Vielfältigkeit. So beginnt der Song doch relativ schnell und aggressiv, nimmt dann aber das Tempo in den Strophen komplett raus und gestaltet sich sehr ruhig, fast schon balladesk. Anschließend setzt dann noch mal alle Emotionen frei und zeigt Fabio Lione in Höchstform, klasse! Die Bridge gestaltet sich wieder relativ typisch, ehe das Monster von Refrain auf den Hörer los gelassen wird. Der Song hätte auch durchaus auf „Power of the Dragonflame“ seinen Platz finden können. Der Mittelteil ist hier doch relativ lang und widmet sich vor allem der Gitarrenarbeit von Luca Turilli. Natürlich findet diese wieder in absoluter Perfektion statt und lässt diesbezüglich keine Wünsche offen. Gegen Ende des Parts klingt der Song sogar noch mal ein bisschen „böse“ was dem Gesamtbild absolut zugute kommt.
Der Titeltrack stellt mit seinen 11 Minuten natürlich den mit Abstand längsten Song dar. Leider muss ich zuerst aber was Negatives anmerken. Die ersten 3 Minuten sind meiner Ansicht nach ziemlich belanglos und wirken einschläfernd. Man hört eine Stimme, die einem nicht wirklich bekannt ist und das zieht sich ein wenig. Dann nimmt der Song zumindest ein bisschen Fahrt auf und spätestens, wo Fabios Gesang einsetzt, ist der Knoten geplatzt. Tempowechsel stehen bei diesem Song an der Tagesordnung. Die Strophen wandern zwischen Midtempo und Uptempo, die Bridge ist doch eher ruhig und emotional angehaucht. Der Refrain ist relativ lang und befindet sich im Uptempobereich. Erinnert ein wenig an „Sea of Fate“ und stellt ebenfalls vor allem Fabios Gesang in den Vordergrund. Das Keyboardsolo klingt hier wieder ziemlich modern und zeigt sich ähnlich wie es schon bei „Crystal Moonlight“ der Fall war. Ansonsten ist der Song trotz seiner Länge eigentlich gar nicht mal so speziell, wie es sonst bei den Rhapsody Longtracks der Fall ist. Das macht aber rein gar nichts, denn ein Longtrack mit einer geordneten Struktur und der neu gewonnen Stärke dieser Band bildet nun wirklich keinen großen Schwachpunkt auf diesem Album.
Mit „Labyrinth of Madness“ und „Sea of Fate (orchestral Version) findet man auch 2 Bonustracks vor, die ich allerdings nicht so wirklich als erwähnenswert empfinde. „Labyrinth of Madness“ ist ein Instrumentaltrack, der sich auf Turilli’s Können an der Gitarre spezialisiert hat. Dieser wird aber doch sehr langweilig rüber gebracht und verbreitet nicht so wirklich viel Spaß. Zwar ist hier natürlich deutlich erkennbar, dass der Mann einigs drauf hat, doch besticht der Song nicht gerade mit tollen Melodien etc.
Bei „Sea of Fate (orchestral Version) sagt der Titel eigentlich schon alles. Hier wurde dem Song ein neues Gewand verpasst, welches vor allem natürlich das Orchester in den Vordergrund stellt. Auch Fabios Gesang zeigt sich etwas gefühlvoller und ruhiger. Allerdings bevorzuge ich ganz klar die normale Variante und empfinde diese 2 Bonustracks somit als überflüssig.
Rhapsody of Fire ist nach 4 Jahren des Nichts nun ein großartiges Comeback gelungen, welches nur so strotzt vor Frische. „The frozen Tears of Angels“ sollte jeden Fan absolut begeistern und auch ein paar neue dazugewinnen können. Rhapsody haben es hier einfach geschafft, eine Verbindung zwischen alten und neuen Elementen zu schaffen. Leider ist die geringe Anzahl an richtigen Songs doch schon problematisch und so hätte man sich zumindest einen Song mehr gewünscht, der das Ganze abrundet. Dennoch gibt es kaum Gründe, sich zu beschweren und jeder Fan des Epic Metals kann ohne Bedenken sofort zuschlagen. Ich jedenfalls bin begeistert und hoffe darauf, dass wir noch viel von den Jungs hören werden!
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