Stratovarius - Polaris
STRATOVARIUS - Polaris
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„Higher we GOOOO” heißt es auf dem neuen Stratovarius Album. Wie ein Phoenix aus der Asche ist die Band nach dem Weggang des psychisch labilen Lead-Gitarristen und Mastermind Timo Tolkki aus der Asche aufgestiegen. Ich glaube ich kann es mir sparen auf die ganze Geschichte noch mal einzugehen. Und zu dem „Strato ohne Tolkki geht nicht!“ Streit, lasst es mich so sagen: Nach alle dem, was Tolkki da abgezogen hat und wie er seine Kameraden behandelt hat, haben sie jedes Recht unter dem Namen Stratovarius weiterzumachen. Und bevor ihr jetzt anfangt zu brüllen „STRATO OHNE TOLLKI IST NICHT STRATO!“: Stratovarius wird immer Stratovarius sein. Es ist eine Band. Sie machte mehrere Line-Up Wechsel mit, aber sie ist immer noch Stratovarius. Ob mit oder ohne Tolkki. Soviel also dazu. Wer ist nun der Ersatz für Tolkki? Es wurde im Vorfeld viel spekuliert. Jani kannichnichtausprechenundschreiben, der ehemalige Sonata Arctica Klampfer, war einer von vielen Namen, die in der Gerüchteküche in einem Topf brodelten. Am ende wurde es das junge, Finnische Talent Matias Kupiainen. Die Wahl einen bis dato noch völlig unbekannten Gitarristen anstatt einem schon etablierten zu nehmen war sehr ungewöhnlich. Aber Matias hat durchaus das Talent Timo Tolkki zu ersetzen. Aber genug der Vorrede, kommen wir zm Album.
Aufgenommen wurde das erste Album nach dem 2005 erschienenen „Stratovarius“ (welches aus mir unempfindlichen Gründen mehr Kritik bekommt als es verdient.) im Winter 2008 in Finnland. Anstatt das Material nur von einer Person schreiben zu lassen wie früher, hat die ganze Band zum Album beigetragen. Auch Neuling Matias, der zusammen mit Sänger Timo Kotipelto 3 Songs schrieb. Ein Großteil des Albums (5 von 11 Songs) wurde überraschenderweise vom Bassisten Lauri Porra geschrieben und nicht wie vorher angenommen von Keyboarder Jens Johansson. Das Album bekam generell gute Kritiken. Man sagte das Album sei die triumphale Rückkehr der Band. Das Album sei eines der besten von Stratovarius und es sei genau so gut oder teilweise sogar besser als Vsions, Episode oder Destiny (!!!!!!). Verdient das Album diese Lorbeeren oder ist Stratovarius ohne Tolkki wirklich nicht mehr in der Lage gute Musik zu schreiben? Um mal den Quoten-Ägypter von Pro7 zu zitieren: „Finden wir es heraus!“.
Das Album beginnt mit dem ungewohnt progressiven „Deep Unknown“, das teilweise schon stark an die Amerikanische Band „Symphony X“ erinnert. Komponiert wurde der Song von Matias Kupiainen und schon hier zeigt sich, das Matias eine gute Wahl war. Seine Gitarrenarbeit ist sehr gut und technisch gesehen steht er seinem Vorgänger in nichts nach. Mit „Falling Star“ geht es aber wieder in gewohnter Stratovarius-Manier weiter. Der Song ist ein Mid-Tempo Song der ein bisschen an „Just Carry On“ vom 2005er Album erinnert. Er ist Irgendwie langweilig und belanglos. Und irgendwas stimmt mit Kotipeltos Stimme nicht. Ich kann aber noch nicht sagen was...
Song numero tres ist „King of Nothing“, einer der 3 Songs die aus Jens Johanssons Feder stammen. Es ist ein langsamer, atmosphärischer und teilweise melancholischer Song. In vielen Reviews wird geschrieben, das in diesem Text Andeutungen und Metaforen bezüglich Timo Tolkki verstecket sind. Ich kann da nichts rauslesen. Und wenn ich mich recht erinnere sagte Jens selbst, das es in dem Song um eine Schwedischen König geht. Alles in allem guter aber sehr keyboardlastiger Song. Und hier haben wir schon einen großen Kritikpunkt: Das Album ist zu keyboardlastig. Einige von euch werden sich fragen warum. Denn Stratovarius war doch schon immer eine keyboardlastige Band. Das mag schon sein, aber in den früheren Alben war die Gitarre eigentlich immer dominanter als das Keyboard oder gleichgesetzt. Bei diesem Album aber übertreibt es Jens etwas mit dem elektrischen Klavier. Ich hätte bei vielen Songs gerne mehr von Matias gehört. Also beim nächsten mal bitte einen Gang runter schalten Herr Johansson.
Weiter geht es mit dem Speed-Kracher „Blind“, ebenfalls von Jens Johansson. Der Song wird oft mit dem Klassiker „Black Diamond“ verglichen. Das Intro erinnert sehr an Black Diamond und wurde mit dem selben Chembalo-Sound wie auch das „Black Diamond“ Intro aufgenommen. Aber hier enden auch schon die Ähnlichkeiten. Der Song ist gut, nur das Keyboard wird auch hier wieder übertrieben eingesetzt und die Gesangsmelodien hören sich irgendwie so an, als ob man sie kurz vor Aufnahmebeginn schnell hingepfuscht hätte. Und Kotipeltos Stimme...Naja, ich komm sicherlich noch drauf. Wie auch immer. „Winter Skies“ ist IMHO der schlechteste Song auf Polaris. Es ist einer dieser langsamen, balladesken Songs, die keine Balladen sind. Es ist langweilig und zieht sich in die Länge. Es gibt Songs dieser Gattung die ich mag, aber dieser zählt nicht dazu. Dann kommt der obligatorische Up-Beat, Happy Song alla „Hunting High and Low“ und “Eagleheart”. Und dabei noch nicht mal ein schlechter. Der Song geht leicht ins Ohr, hat die typischen Stratovarius Trademarks und den Hymnen-Refrain. Definitiv einer der besseren Songs auf dem Album. Aber Kotipeltos Stimme...Sie hört sich so and als ob Kotipelto nicht wirklich viel arbeit in den Gesang gesteckt hat...Der Finnische Akzent, der einen Teil des Charmes der Band ausmacht, ist noch dicker als sonst, und der Gesang hört sich generell kraftlos an. Timo Tolkki war früher immer die Person die Kotipelto and sein Limit gepusht hat. Er hat alles aus ihm rausgeholt was nur irgendwie möglich war. Und hier merkt man sehr wie sich das auszahlt und wie es sich anhört wenn so eine Person nicht dabei ist. Klar mag es für Kotipelto so angenehmer sein, aber das Resultat ist doch eher schwach. Tolkki hätte das nicht durchgehen lassen.
“Forever is Today“ ist wohl der beste Song auf dem Album. Ich glaube auch die anderen Reviewer bezogen sich speziell auf diesen Song als sie schrieben, das es das Album mit Klassikern wie Visions oder Episode aufnehmen kann. Dieser Song könnte nämlich auch genau so von einer dieser Scheiben stammen. Er ist schnell, kraftvoll und auf einem Level wie „Speed of Light“, „Legions“ oder „Father Time“. Nur Kotipeltos Gesang...Aber darauf bin ich ja schon eingegangen. Der Nächste Song ist die schmalzige Ballade „Somehow Precious“. Stratovarius Balladen sind für mich so ein Ding...Es gibt eigentlich nur 3 bzw. 4 die ich wirklich mag. Das sind “Forever”, “Will My Soul Ever Rest in Peace”, “The Land of Ice and Snow” und „Keep the Flame Alive” (letzteres vom „New Era“ Album von Tolkkis neuer Band “Revolution Renaissance”, welches eigentlich als das nächste Stratovarius Album geplant war und von dem auch Demos mit dem letzten Stratovarius Line-Up existieren). Der Rest lässt mich so ziemlich kalt. So auch dieser Song. Es ist ein schmalziger Love Song komponiert von, wie auch nicht anders zu erwarten, Timo Kotipelto mit Hilfe von Matias. Ich sag es mal so: Kotipeltos Texte in Kombination mit Tolkkis Musik: A+. Kotipeltos Texte mit Kotipeltos Musik: D- allerhöchstens. Wer sich seine Solo Alben angehört hat, der weiß was ich meine. Aber wie dem auch sei.
Die nächsten 2 Tracks, die Emmancipation Suite Dusk und Dawn, stammen aus Lauri Porras Feder. Part 1 ist ein genialer, orientalisch angehauchter Mid-Tempo Song der auch zu den besseren auf dem Album zählt. Part 2 ist ein langsamer, balladesker Song. Ich finde ihn ehrlich gesagt unnötig. Part 1 war alleine schon gut genug und Part 2 zieht die ganze Komposition eher runter als das es sie aufbaut. Und hier kommen wir zu einem anderen großen Kritikpunkt: Balladen/balladeske Songs. Ich habe generell nichts gegen diese Songs. Aber wenn eine Band den Balladen Overkill macht, dann kann das ein ansonsten gutes Album sehr runterziehen. So ist es auch bei Polaris. 4 Stück. Brauchen wir wirklich 4 dieser Songs? 2 sind für mich absolutes Maximum. Besonders bei einer Band wie Stratovarius, deren Balladen ich zu 80% nicht leiden kann. Beendet wird das Album von einer Ballade. Als ob wir wirklich noch eine brauchen. Der Name dieser Ballade ist „Forever Part II“. Oh, pardon, ich meine „When Mountains Fall“. Aber eigentlich ist dieser Song nichts weitere als „Forever Part II“. Lauri Porra, der diesen Song komponierte, sagte zwar das dieser Song nicht von „Forever“ inspiriert wurde aber ob es gewollt war oder nicht, die Ähnlichkeit ist unverkennbar. Denn auch dieser Song ist eine akustische Ballade, auf der nur Streicher, eine klassische Gitarre und Kotipelto zu hören sind. Er handelt von einem Mann, der sich nie traute seiner großen Liebe seine Gefühle zu offenbaren. Nachdem er sich nach Jahren endlich traut und auf die Suche nach ihr geht, findet er heraus das er zu spät ist und die Frau 3 Jahre zuvor gestorben war. Sorry, der Text ist herzzerreißend, aber irgendwie berührt mich das Lied so gar nicht im. Es hat einfach nicht diesen tiefen Eindruck hinterlassen wie „Forever“. Mit diesem Song wird es „When Mountains Fall“ nie aufnehmen können.
Ich weiß, alles in allem hört sich das erst mal sehr Negativ an. Aber Polaris ist keinesfalls ein schlechtes Album. Die Musiker wissen was sie tun und spielen ihr Instrument perfekt, die Produktion ist super und ich weiß das die Jungs wohl ihr Herzblut in dieses Album gesteckt haben, aber irgendwie will der Funke nicht auf mich überspringen. Ich hoffe mal das dies nur eine Anfangsphase ist und die Jungs mit dem nächsten Album wieder richtig in die Puschen kommen.
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