Van Canto - Tribe of Force
| Redaktions-Punkte | 10/15 Punkte |
| Veröffentlichungsdatum | 26.3.2010 |
| Genre | A Capella-Metal |
| Label | Napalm Records |
| Spielzeit | 55:20 |
| Trackliste | 01. Lost Forever 4:40 02. To Sing A Metal Song 3:24 03. One To Ten 4:06 04. I Am Human 3:56 05. My Voice 5:30 06. Rebellion 4:05 07. Last Night Of The Kings 3:52 08. Tribe Of Force 3:17 09. Water.Fire.Heaven.Earth 3:32 10. Master Of Puppets 8:23 11. Magic Taborea 3:22 12. Hearted 4:00 13. Frodo's Dream 3:06 |
| Line-Up | Lead Vocals: Philip Dennis "Sly" Schunke Lead Vocals: Inga Scharf Lower Rakkatakka-Vocals: Stefan Schmidt Higher Rakkatakka-Vocals: Ross Thompson Deep Dandan-Vocals: Ingo "Ike" Sterzinger |
| Cover | ![]() |
Van Canto haben in den letzten Jahren einen immer größeren Bekanntheitsgrad erlangt, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie bereits im Jahre 2008 ein Teil von Wacken waren. Für ihr Album „Hero“ konnten sie auch prominente Gäste wie Hansi Kürsch für sich gewinnen, was einen natürlich immer nach vorn bringt. Allerdings ist es in diesem Fall weniger das, als viel eher die Tatsache, dass diese Band so gut wie keine richtigen Instrumente benutzt (wenn man mal von den Drums absieht). Wie man es vielleicht von Interpreten wie den Prinzen oder The Wise Guys kennt, werden hier nur die Stimmen für alles mögliche eingesetzt. Van Canto ist halt die erste Band, die genau das in Metal Manier richtig gut umsetzt. Dieser Fakt dürfte ihnen den immer weiter anwachsenden Grad an Bekanntheit beschert haben. Vor kurzem haben sie ihr 3. Album „Tribe of Force“ auf den Markt geschmissen und Coversongs wie „Master of Puppets“ wecken natürlich sofort das Interesse, welches seinerzeit bei „Battery“ bereits aufkam. Aber allgemein halte ich diese Truppe für sehr talentiert und so rotierte „Tribe of Force“ das ein oder andere Mal in meiner Anlage.
Man merkt Van Canto an, dass sie auch immer mehr Erfahrungswerte dazu gewinnen. So präsentieren sich auch ihre selbst komponierten Songs immer stärker und prägnanter. Da wäre z.B. der starke Opener „Lost Forever“ zu nennen, der einen wirklich enorm starken Philip Schunke zeigt. Der Kerl ist für diese Art von Musik einfach geschaffen und reißt den Hörer mit seiner Stimme zu jeder Zeit mit. Natürlich lebt dieser Song von dem richtig guten Refrain, der direkt beim ersten Mal im Ohr hängen bleibt. Auch die Backgroundsänger muss ich loben, Respekt was für Tonlagen die Kerle auf die Reihe bringen, von ganz tief bis hin zu ziemlich hoch ist alles dabei. So wirkt diese Art von Musik auch nicht lächerlich, sondern sehr authentisch. Da sind Leute am Werk, die diesen Acapella Style auch wirklich verstehen und sehr gut umsetzen können. Hinweisen möchte ich auch unbedingt auf den Song „My Voice“, der bis dato wohl den stärksten Van Canto Song darstellen dürfte. Klasse, wie der Song mit einem Kickstart einsetzt und eine super Leistung der sog. „Rakkatakka“ Sänger zeigt. Die Strophen sind hier sehr treibend und mitreißend. Der Refrain ist einfach nur eine Hymne für sich, da trieb es mir beim ersten Mal schon die Gänsehaut auf. Hier und da wünscht man sich schon mal eine richtige Gitarrenpassage, aber es wird dennoch sehr gut ausgemerzt durch diesen saustarken Sänger, was ich einfach nur immer wieder hervorheben muss. Auch der Mittelpart ist hier richtig klasse, sehr ruhig gehalten und toll in Szene gesetzt von den Bandmitgliedern, die quasi die Instrumente darstellen. Später gesellt sich auch Vocalist Philip mit seiner Begleiterin Inga Scharf dazu, die bislang aber allgemein eher im Hintergrund vorzufinden war (wenn wir mal von den Strophen bei „One to ten“ absehen). Letztlich kehrt der Song dann zu seinen Wurzeln zurück und zeigt wirklich mal eine der gewünschten echten Gitarrenpassagen. Einfach nur klasse, sollte man definitiv mal gehört haben!
Mit dem Song „Rebellion“ gibt’s hier auch erneut einen von insgesamt 2 Coversongs, für den man auch den ursprünglichen Sänger Chris Boltendahl gewinnen konnte. Allerdings muss ich eingestehen, dass mir dieser Song schon im Original nicht besonders zusagt. Allgemein bin ich aber nicht so der Fan von Van Cantos Coverversionen, was nicht daran liegt, dass sie es schlecht umsetzen. Wenn ich solche Songs im Original mit ihren ballernden Gitarren usw. so zu schätzen weiß, dann fehlen mir diese hier einfach umso mehr. Da liegt mein Problem und daher sollten sich Van Canto meines Erachtens nach eher auf ihre eigenen Songs konzentrieren, ganz gleich, dass es immer mal wieder interessant ist zu hören, wie so ein Metal-Klassiker in Acapella Form rüberkommt.
‚Last night of the kings“ ist ein Song, der mich stark an „The Bard’s Song“ von Blind Guardian erinnert, die Van Canto so oder so als Vorbilder sehen. Dennoch wurde der Song richtig gut umgesetzt, auch wenn mich dieses „Rabadambadabeia“ Gesinge hier etwas nervt. Allerdings gefallen mir die sehr ruhig gehaltenen Strophen richtig gut und auch der Fakt, dass der Refrain dieses ruhige Feeling erstmal beibehält, ist absolut förderlich. Anschließend geht der Song nämlich etwas aus sich raus und packt den Hörer richtig.
Mit „Master of Puppets“ haben wir nun den 2. Coversong vor Augen, wo ich mir sofort gedacht habe „Na ob das funktionieren kann?“. Meine Antwort: Nein kann es nicht! Ein Song von dieser Länge, der im Original von den fetten Riffs und dem dreckigen Gesang von James Hetfield lebt, KANN so nicht funktionieren. Dafür ist Philips Stimme nicht gemacht und auch dieser „Rakkatakka“ Gesang passt hier alles andere als gut. Daher ein dicker Fehltritt in meinen Augen, der glücklicherweise mit „Hearted“ gegen Ende so was von wettgemacht wird. Hier konnte man „Tony Kakko“ gewinnen, der für seinen starken emotionalen Gesang bekannt ist. Das Zusammenspiel zwischen Philip und Tony funktioniert einfach perfekt, davon kann man nur begeistert sein! Und was für ein Ohrwurmrefrain, ein mehr als nur würdiger Abschluss für dieses Album (da Frodo’s Dream in meinen Augen eher als ein Outro anzusehen ist).
Ich wollte nun auch nicht kleinschrittig auf jeden einzelnen Song eingehen, da sich dies bei Van Canto eher schwierig gestaltet, aber auch Inga hat z.B. ihren großen Auftritt bei Water, Fire, Heaven, Earth, wo sie mal ihre Vorzüge zum Vorschein bringen kann und auch ein bisschen an Tarja erinnert. Ansonsten kümmert sie sich meist um den sehr charismatischen Backgroundgesang, den ich keineswegs als unwichtig hinstellen würde.
Fazit: Als Fan der 2 vorangegangen Alben wird man absolut nicht enttäuscht sein, da sich Van Canto ein weiteres Mal steigern konnten. Philips Gesang passt an allen Kanten und Ecken und bildet definitiv den wichtigsten Bestandteil des ganzen Albums. Manchmal wünscht man sich dennoch die ein oder andere Gitarrenpassage herbei, weil genau das eben doch das elementar wichtigste beim Metal ist. Seltene male werden auch solche Passagen eingeschoben, was das Gesamtpaket etwas auflockert. Mit den Coversongs kann ich mich nach wie vor nicht anfreunden, aber da teilen sich die Meinungen sicher. Ansonsten sind Van Canto definitiv im Stande dazu, richtig gute eigene Songs hervorzubringen, die dem Hörer einiges zu bieten haben. Wenn daran weiter gefeilt wird, dann darf man in der Zukunft sicher mit noch mehr Höhepunkten rechnen.
Autor: Christian
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