Winter's Verge - Tales of Tragedy
| Redaktions-Punkte | 12/15 Punkte |
| Veröffentlichungsdatum | 29.01.2010 |
| Genre | Power Metal |
| Label | Massacre Records |
| Spielzeit | 53:27 |
| Trackliste | 1. World of Lies 2. Old Man's Wish 3. I Swear Revenge 4. For those who are gone 5. The Captain's Log 6. Envy 8. Dark Entries 9. Madness Once Called Love 10. Reflections of the Past 11. Curse of Time |
| Line-Up | George - Vocals Harry - Guitars Stefanos - Keyboards Miguel - Bass Chris - Drums |
| Cover | ![]() |
Zypern ist ja ein eher unberührtes Stück Erde, was sowohl die Landschaft als auch die Musik angeht. Da ist es schon eine Leistung, eine Power Metal-Band in diesem Lande zu gründen und mit der auch noch Erfolg zu haben! Okay, der große Erfolg blieb für die Zyprioten von Winter's Verge bisher aus, aber die junge Band hat schließlich erst zwei Alben.
Mit 'Tales of Tragedy' versucht die Band nun abermals, nach dem starken Debüt 'Eternal Damnation', auch aus dem Süden herauszukommen und die Welt von ihrer Musik zu begeistern. Und bei diesem Versuch stellt sich die Band nicht mal schlecht an. Entgegen aller Power Metal-Regeln gibt es auf dem Album kein Intro, sondern es geht direkt mit einem sehr Riff-Lastigen Doublebass-Song los. 'World of Lies' nennt sich das Teil und man merkt der Band sofort eine Veränderung an. Von sehr verspielten, melodischen und teils kitschigen Kompositionen vom ersten Album wird hier abgesehen, Winter's Verge setzen lieber auf starke Riffs, die zugleich eingängig und antreibend sind. Der Band zugute kommt dabei Keyboarder Stefanos Psillides, der mit eher atmosphärischen Parts aufwartet und nicht, wie bei vielen anderen Bands, eine führende Rolle einnimmt.
Mit 'World of Lies' geht das Album auf jeden Fall sehr stark los – mehr davon!
Und das gibt es auch mit 'Old Man's Wish'. Der Song startet ebenso wie sein Vorgänger mit einem schnellem Riff durch, dann folgt ein melodisches Gitarren-Lead/Solo. Die Strophe gibt vor, ruhig zu sein, überrascht aber mit einem Break und der Song verwandelt sich in einen Up-Tempo-Power-Metal-Song. Ein Problem, welches mir bei Winter's Verge jedoch auffällt, sind die teils sehr unausgereiften und von daher nicht sehr auffälligen bzw. Eingängigen Refrains. So auch hier bei 'Old Man's Wish'. Dennoch kann ich darüber hinwegsehen, da die Songs wirklich begeistern können mit ihren kleinen Geschichten, die sie alle erzählen ('Tales of Tragedy').
Der dritte Song 'I Swear Revenge' beginnt wie ein Black Metal-Song, mit cleanen Gitarren, die eher in Moll als in Dur spielen. Zum Glück geht es nicht so weiter, wär auch komisch. In der Strophe spielen die Gitarren schön im Stakkato-Rhythmus und der Refrain überzeugt mit durchgängiger Doublebass und einer Mischung aus melodischen Gitarren-Leads und Riffs.
Ein kleiner Kritikpunkt ist Sänger George Charalambous, der eine gute Stimme hat, keine Frage. Er setzt sie aber nicht oft genug ein, er versteckt sie zu oft hinter irgendwelchen geflüsterten Passagen oder unmelodischem Gesang. Das kann der Mann besser, aber er tut es nicht. Das würde die Wertung extrem höhrer ziehen, wenn er endlich mal ordentlich singen würde, und zwar immer.
'For those who are gone', das deutet schon der Titel an, ist eine Ballade. Und zwar eine richtig tolle Ballade! Und nein, das ist kein Widerspruch. Aber auch hier – lieber irgendwelche gesprochenen Stellen als der melodische Gesang, der zum Glück auch hier zum Einsatz kommt. Der Text ist sehr gefühlvoll, und diesmal passt George als Sänger sich perfekt ein. Im zweiten Teil des Songs setzten dann alle Instrumente ein und es wird etwas härter. Das kennt man zwar inzwischen von so ziemlich jeder Ballade, aber das ist egal, der Song ist Klasse.
Nochmal richtig stark wird es mit 'Captain's Log', meinem Persönlichen Favoriten auf dem Album. Mit Streichern wird der Song eingeleitet, die Strophe ist extrem dynamisch und antreibend, die Doublebass drückt, klasse! Im Text, der mir leider nicht vorliegt, geht es scheinbar um einen Piraten-Captain, das ganze ist sehr gut umgesetzt und eingängig. Ein annähernd perfekter, harter Power Metal-Song. Ein ganz starker Abfall des Qualitäts-Bogens muss aber bei 'Envy' verzeichnet werden. Der Song gefällt mir irgendwie gar nicht, das Thema ist mir schon zu düster und die Eingängigkeit fehlt mir. Deswegen will ich nicht viele Worte verlieren: Dieser Song ist überflüssig. Zum Glück kann mich 'Dark Entries' wieder begeistern. Auch hier ein richtig tolles Riff am Anfang, wie bei 'Old Man's Wish'. Hier geht es scheinbar um ein geheimnisvolles Tagebuch, was auch wieder sehr toll vertont wurde. Der Refrain inklusive Pre-Chorus ist richtig klasse, eingängig und atmosphärisch – die Geschichte entsteht vor dem inneren Auge des geneigten Zuhörers. Aber nur wenn man sich darauf einlässt – das ist auch ein kleines Problem: Die Songs entfalten sich erst mit ausführlichem Hören, und so lange gönnen manche Leute den Songs nicht, obwohl sie es verdient haben!
Aber jetzt gibt es noch ein weiteres Problem. Die letzten vier Songs sind ein Negativbeispiel für die Band. Sie sind eher im Mid- bis Downtempo angesiedelt, teilweise sehr langweilig und klingen so, als wenn man sich bei ihnen nicht viel Zeit gelassen hätte. Einzig 'Reflections of the Past' kann da noch herausstechen mit einigen recht epischen Songstrukturen.
Mein Fazit von dem Album: Die Band ist wirklich gut, hat aber noch viel Potenzial nach oben, besonders Sänger George. Er kann ruhig etwas mehr mit seiner Stimme herauskommen, da er wirklich Talent hat. Das Album enthält sehr viele starke Songs, als Anspieltipps seien hier 'Captain's Log' und 'Dark Entries' genannt. Einzig enttäuschend sind 'Envy' sowie die letzten 4 Songs. Insgesamt gefällt mir das Album aber und wird mich sicher noch einige Wochen beschäftigt halten.
Autor: Chris
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